BNP Paribas Asset Management weekly strategy update
Market commentary, Wöchentliches Strategie-Update

Wachstum, Reformen und der Wechsel an der Spitze der Fed könnten den US-Dollar treiben

October 11, 2017 - Colin Harte, Head of Research, Active Asset Allocation, Multi Asset Solutions - Colin Graham, CFA, CAIA, CIO, Head of AAA, Multi Asset Solutions

Das Pfund im Niemandsland zwischen Konjunkturdaten und politischer Unsicherheit

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag Fachausdrücke enthält. Er eignet sich daher nicht für Leser ohne professionelle Investmenterfahrung.

ZUSAMMENFASSUNG

  • Die US-Wirtschaft macht Fortschritte
  • Weitere Konjunkturenttäuschungen in Großbritannien könnten die Pfund-Erholung bremsen
  • Asset-Allokation: Bei Aktien weiter long Spanien, short Italien

US-Aktien stiegen auf neue Rekordhochs, doch in anderen Ländern waren die Märkte weniger spannend. Emerging-Market-Aktien hielten sich gut, mit Asien an der Spitze. Amerikanische Small Caps legten aufgrund der Hoffnungen auf eine Steuerreform weiter zu. Unter dessen blieb der VIX-Volatilitätsindex extrem niedrig (vgl. Abbildung). Der US-Dollar wertete weiter langsam auf, das Pfund gab nach. Für Rohstoffe war die Woche uneinheitlich.

Der Rohölpreis stieg, weil Saudi-Arabien und Russland intensiver zusammenarbeiten wollen, um das weltweite Überangebot zu dämpfen. Doch der Preisanstieg wurde schnell wieder zu-nichte gemacht; man fürchtete die Folgen des Hurrikans Nate, der am Wochenende auf das amerikanische Festland traf.

Die US-Staatsanleiherenditen stiegen aufgrund guter Konjunkturdaten. Die deutsche Bundes-anleiherendite entwickelte sich seitwärts, während die spanischen Renditen aufgrund der politi-schen Unruhen in Katalonien zu Wochenbeginn zunächst fielen, dann aber wieder stiegen, da man zur Vernunft zu kommen schien und Konjunkturdaten wie der Einkaufsmanagerindex wei-ter gut waren.

USA: WIRTSCHAFTLICHE FORTSCHRITTE AUF VIELEN EBENEN

Die Konjunkturdaten waren in dieser Woche durchweg gut. Zwar waren die lange erwarteten Arbeitsmarktzahlen überraschend schwach (insbesondere aufgrund der Hurrikans, mit den größten Rückgängen in den Sektoren Freizeit und Gastgewerbe), doch hatten die Investoren vor allem jene Zahlen im Blick, die eine stärkere Konjunktur und Knappheiten am Arbeitsmarkt andeuteten. Die Arbeitslosenquote (die auf Haushaltsdaten beruht, während für die Beschäfti-gung außerhalb der Landwirtschaft Unternehmen befragt werden) fiel auf 4,2% und damit un-erwartet stark. Wir halten diese Zahl für die wichtigere, da Menschen, die aufgrund des schlechten Wetters nicht arbeiten, hier nicht als Arbeitslose gezählt werden. Die durchschnittli-chen Stundenlöhne (vgl. Abbildung) – sicher die wichtigste Zahl im Arbeitsmarktbericht – zeig-ten deutlich, dass die Knappheiten am Arbeitsmarkt weiter zunehmen.

Der gute Automobilabsatz sprach im September ebenfalls für einen Aufschwung. Eine Rolle spielte aber sicher auch die höhere Nachfrage nach den Hurrikans, die zahlreiche Fahrzeuge zerstört hatten. Doch so oder so wurden die Markterwartungen klar übertroffen. Die Frühindikatoren sprachen für ein stärkeres BIP-Wachstum; der Industrie-PMI stieg auf den höchsten Wert seit Mai 2004. Der US-Dollar legte daraufhin zu.

US-DOLLAR: AUFWERTUNGSPOTENZIAL

Unserer Ansicht nach dürften das steigende amerikanische Wirtschaftswachstum und die er-neuten Diskussionen über eine mögliche Steuerreform den Dollar stützen. Die Währung könnte aber auch aufwerten, wenn Janet Yellens Nachfolger im Fed-Vorsitz bekanntgegeben wird. An den Märkten denkt man vor allem an Jerome Powell, zurzeit Boardmitglied, und das frühere Boardmitglied Kevin Warsh. Beide scheinen eine straffere Geldpolitik zu befürworten. Wir hal-ten Powell für den Favoriten und glauben, dass er für mehr Kontinuität steht als Warsh, der das Quantitative Easing öffentlich kritisiert hat. Die Personalie könnte in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden.

Auch die EZB-Politik könnte den Dollar stützen, da eine lockere Geldpolitik den Euro schwächt. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet meinte, dass noch sehr viel expansive Geldpolitik nötig sei, da-mit die langfristige Inflation allmählich steige und die Inflationsrate mittelfristig zunehme. Laut Praet scheint die EZB zu erwägen, die monatlichen Wertpapierkäufe drastisch zu kürzen, dafür aber das Programm zu verlängern.

GROSSBRITANNIEN: WEITERE KONJUNKTURENTTÄUSCHUNGEN KÖNNTEN DIE PFUND-ERHOLUNG BREMSEN

Auf dem diesjährigen Parteitag der Konservativen Partei versuchte Premierministerin Theresa May, beim Thema Brexit zu beruhigen. Sie nannte aber keine Einzelheiten, zumal die britisch-europäischen Verhandlungen über eine Handelsvereinbarung festgefahren sind. Die regieren-den Konservativen scheinen immer zerstrittener, und es werden bereits Rufe nach einem Rücktritt der Premierministerin laut. Wir rechnen nicht damit, weil ein Amtswechsel zu noch größeren Verzögerungen bei den Verhandlungen führen würde. Falls es zu Neuwahlen käme, wäre am Ende sogar ein Sieg von Labour möglich.

Die jüngsten Daten waren enttäuschend. Der Composite-PMI ist aufgrund besserer Dienstleis-tungszahlen leicht gestiegen, aber der Industrie- und der Bauindex sind gefallen. Den sechsten Monat in Folge ging der Neuwagenabsatz zurück, was zeigt, wie verunsichert die Verbraucher sind. Wir beobachten die Daten genau, um einschätzen zu können, ob die Bank of England mittelfristig weiter auf eine straffe Geldpolitik setzt.

ASSET-ALLOKATION

Unsere Long-Position im IBEX gegenüber dem MIB, also unsere Präferenz für spanische Ak-tien gegenüber italienischen, litt unter der Unruhe infolge der katalanischen Unabhängigkeits-bemühungen. Wir behalten die Position dennoch bei, weil wir aufgrund der erfreulichen Kon-junkturindikatoren optimistisch bleiben. Dennoch werden wir die politische Lage weiter be-obachten.

Redaktionsschluss: 9. Oktober 2017

WSU

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