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Wöchentliches Investment Update – Wellen der Verunsicherung

Blog

Daniel MORRIS
 

Die Anleger haben es oft mit neuen Nachrichten zur US-Politik und zur Corona-Pandemie zu tun. Die Aufwertung des US-Dollars seit Mitte September ist ein klares Zeichen dafür, dass Anleger angesichts der drohenden Turbulenzen sichere Häfen suchen.

Strengere Maßnahmen wegen der schnellen Ausbreitung des Virus?

Die Zahl der COVID-19-Infektionen steigt in vielen europäischen Ländern weiterhin schnell. Erfreulicherweise bleibt die Sterblichkeitsrate deutlich unter dem im Frühjahr verzeichneten Wert, da es sich bei den meisten neuen Fällen um junge Leute handelt, von denen viele keine Symptome zeigen.

Man hatte zwar mit einer zweiten Welle gerechnet, aber viele Beobachter waren überrascht, wie schnell sich das Virus nach der Lockerung der Lockdown-Beschränkungen ausbreitete. Die wichtigste Frage für Anleger lautet, mit welchen Maßnahmen die Regierungen versuchen werden, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, denn neue Lockdowns würden sich schnell auf die Kurse der Anlagen niederschlagen.

Drastische Maßnahmen eher unwahrscheinlich

Vollständige Lockdowns sind derzeit wohl eher unwahrscheinlich. Sei es wegen der schwerwiegenden wirtschaftlichen und psychologischen Folgen derartig strenger Maßnahmen, oder aufgrund von Zweifeln an ihrer langfristigen Wirksamkeit. Lockdowns verhindern die Ausbreitung des Virus nämlich nur, solange sie in Kraft sind, können aber nicht unbefristet beibehalten werden. Die Regierungen verhängen daher in bestimmten Gebieten gezieltere Maßnahmen zur Senkung der Infektionsraten und lassen die Wirtschaftsaktivität größtenteils weiter laufen.

Die Strenge-Indizes der Blavatnik School of Government haben sich in den letzten Monaten nur wenig verändert. Allerdings herrscht in Bezug auf die Entwicklung des Virus mit Näherrücken der Grippewelle im Winter dennoch große Unsicherheit (siehe Diagramm 1).

Exhibit 1

Wahlergebnis – Unterschiedliche Auswirkungen auf den Markt erwartet

Dass es in den USA einen brisanten Wahlkampf geben würde, war zu erwarten. Dennoch überraschten die jüngsten Ereignisse – von der turbulenten ersten Debatte zwischen den Präsidentschaftskandidaten Ende September bis hin zur Corona-Diagnose und offensichtlich schnellen Genesung von US-Präsident Trump.

Meinungsumfragen und Wettquoten schwankten stark, obwohl die meisten Wähler ihre Entscheidung Berichten zufolge schon lange getroffen haben. Viele Kommentare konzentrierten sich zwar auf die Reaktion der Aktienmärkte auf die Wahrscheinlichkeit eines Wahlsiegs des einen oder anderen Kandidaten, aber ob das ein wichtiger Faktor ist, ist alles andere als sicher.

Die US-Aktien gingen nach der Ankündigung von Trumps Diagnose am 2. Oktober zwar zurück, aber dieser Rückgang konzentrierte sich auf den Technologiesektor, während der Rest des Marktes (und die europäischen Aktien) unverändert blieben. Nach der Debatte am 29. September (die für Trumps Wahlgegner Biden als positiv wahrgenommen wurde) stiegen die Märkte (siehe Diagramm 2).

Exhibit 2

Eine Schwierigkeit für alle, die die Entwicklung des Aktienmarktes vorauszusagen versuchen, besteht darin, dass nicht nur der Gewinner der Präsidentschaftswahl, sondern auch die Zusammensetzung des Kongresses für unterschiedliche Folgen in den einzelnen Marktsektoren verantwortlich sind. Verschiedene Bereiche der Sektoren Energie, Finanzen, Gesundheitswesen und Technologie werden sich nach der Wahl voraussichtlich verbessern. Andererseits werden in anderen Rückgänge zu verzeichnen sein, wobei das Nettoergebnis unsicher ist.

USA: Stimuluspaket in den Hintergrund geraten

Der Markt für US-Treasuries und die Breakeven-Inflationsrate könnten ein klareres Bild von der Marktstimmung geben. Dabei spiegelt der Renditeanstieg um 10 Bp in der letzten Woche möglicherweise die Erwartung wider, dass es unabhängig vom Ausgang des langwierigen Streits zwischen Republikanern und Demokraten vor der Wahl mehr fiskalische Stimulusmaßnahmen geben könnte.

Das im früheren Verlauf dieses Jahres im Rahmen des CARES Act bereitgestellte Stimulus-Paket in Höhe von 2 Bio. USD konnte nur einen Teil des BIP-Rückgangs um 1,8 Bio. USD im zweiten Quartal wettmachen. Dabei würde im nächsten Jahr ein Stimulus-Paket im Wert von 2-3 Bio. USD eine Volkswirtschaft stützen, von der man ohnehin bereits einen Anstieg um etwa 700 Mrd. USD erwartet.

US-Präsident Trump machte am Dienstag jegliche Hoffnung des Marktes auf ein weiteres Corona-Hilfspaket zunichte, indem er seine Vertreter anwies, die Verhandlungen bis nach der Wahl einzustellen. Diese Neuigkeit bewirkte einen deutlichen Einbruch der Aktienkurse.

Gemischte Daten

Die jüngsten Konjunkturdaten fielen in den einzelnen geografischen Regionen unterschiedlich aus: In den USA und China zeigen Einkaufsmanagerindizes, Arbeitsmarktzahlen und Einzelhandel, dass sich die Konjunktur weiter erholt, wenn auch langsamer als bei dem anfänglich verzeichneten starken Anstieg.

In weiten Teilen Europas ergab sich aus den Daten ein gemäßigteres Bild. Da in Europa keine weiteren wirtschaftlichen Einschränkungen erfolgt sind, könnten die schlechteren Werte zeigen, dass die weitere Entwicklung der Pandemie Verbrauchern und Unternehmen Sorgen bereitet.


 

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Die in diesem Podcast zum Ausdruck gebrachten Ansichten dürfen keinesfalls als Anlageberatung betrachtet werden.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Verwahrung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

 

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