Der Assetmanager für eine Welt im Wandel
shutterstock_599661242_Intersection_Thailand
  • Home
  • Wöchentliches Investment Update – Unterschiedliche Schicksale

Wöchentliches Investment Update – Unterschiedliche Schicksale

Blog

Daniel MORRIS
 

Die jüngsten Einkaufsmanagerindizes (PMI) zeigen die unterschiedlichen Konjunkturentwicklungen in Europa und den USA.

Der umfassende PMI für die USA ist im Oktober auf 55,5 gestiegen und zeigt, dass sich die Erholungsdynamik angesichts des nachhaltigen Nachfrageaufschwungs verbessert. In Europa ist der Index dagegen auf 49,4 gefallen und weist somit auf einen neuen Konjunkturabschwung hin (die Schwelle zwischen Wachstum und Rückgang liegt bei 50).

graph1-weekly-investment-2810

Einschränkungen – In Europa strenger, in den USA lockerer

Für diesen Unterschied zwischen den Werten für den verarbeitenden und den Dienstleistungssektor ist in erster Linie die unterschiedliche Reaktion der Regierungen auf die steigenden COVID-19-Infektionszahlen verantwortlich – in Europa werden mehr Einschränkungen verhängt, in den USA wesentlich weniger. Die Zahl der bestätigten neuen Fälle liegt jetzt in den meisten Ländern um ein Vielfaches höher als während der ersten Welle (in Frankreich ist sie fünfmal so hoch). Die Zahl der Todesfälle ist glücklicherweise wesentlich geringer (in Frankreich ein Viertel).

The Economist ist davon überzeugt, dass die höhere Fallzahl in erster Linie auf die größere Zahl an Tests zurückzuführen ist und dass es in Wirklichkeit weniger neue Fälle gibt (in Frankreich ebenfalls rund ein Viertel) [1]. Wie dem auch sei, Politiker und Gesundheitsbehörden müssen reagieren und verhängen neue Einschränkungen, die sich immer mehr vollständigen Lockdowns nähern. Die meisten hoffen zwar, die Einschränkungen, die für die Konjunktur am schädlichsten sind, vermeiden zu können, aber die Aktienmärkte spiegeln bereits Bedenken wider, dass sich die Konjunkturaktivität im vierten Quartal nicht im erhofften Maße erholen wird.

Die Märkte blicken über die überraschend guten Gewinne hinaus …

Möglicherweise liegt es daran, dass die Anleger weniger positiv auf die bisher überraschend gute Unternehmens-Gewinnsaison reagieren. Die tatsächlichen Gewinne fielen natürlich schwach aus (in den USA minus 10 % im Vorjahresvergleich), wichtiger sind aber für die Märkte die Gewinnüberraschungen und Änderungen des Ausblicks.

In den meisten Sektoren übertreffen die Gewinne die Analystenerwartungen, in den USA um 16 % und in Europa sogar um 23 %. Die Unternehmen, die Ausblicke auf zukünftige Gewinne veröffentlicht haben, korrigierten diese in zwei Dritteln der Fälle nach oben. Auch bei den Gewinnrevisionen der Analysten zeichnet sich eine positive Tendenz ab: In den USA ist die Zahl der positiven Gewinnrevisionen dreimal so hoch wie diejenige der negativen. In Europa liegt sie nur beim 1,4-fachen. Ob dieser Optimismus den Schlagzeilen über die Verschlechterung der Pandemie-Situation standhalten kann, ist eine der wichtigsten Fragen, die sich den Märkten in den nächsten Monaten stellen wird.

… und vermuten einen Wahlsieg Bidens

Ein weiterer wichtiger Faktor für den Ausblick wird der Ausgang der US-Wahl sein. Wird es zu einer „blauen Welle“ (Wahlsieg Joe Bidens und deutliche demokratische Mehrheit im Senat) und dementsprechend fiskalischen Stimulusmaßnahmen und Änderungen der Steuerpolitik und Gesetzesänderungen kommen?

Der aktuelle Kongress verabschiedete 60 % weniger Gesetze als während der ersten beiden Jahre der Amtszeit Trumps, als die Republikaner sowohl die Kontrolle über den Senat als auch das Repräsentantenhaus hatten. Selbst falls Biden die Wahl gewinnen sollte, könnten die Aussichten auf wesentliche politische Änderungen geringer sein als die Märkte derzeit erwarten. Denn die Demokraten müssen in beiden Kammern eine funktionsfähige Mehrheit erhalten.

Die Antizipation der Märkte lässt sich möglicherweise aus der relativen Performance verschiedener Aktiensektoren in der Woche nach der ersten Präsidentschaftsdebatte ableiten, als Meinungsumfragen und Wettquoten zeigten, dass zunehmend mit einer blauen Welle gerechnet wurde.

graph2-weekly-investment-2810

Umweltfreundlichere politische Maßnahmen zugunsten erneuerbarer Energie – auf Kosten von „schmutziger“ Kohle – zeigen, dass mit einem Wahlsieg Bidens gerechnet wird. Das gilt auch für die Hoffnung auf einen besseren Zugang zu Gesundheitsversorgung, Beschränkungen von Medikamentenpreisen und Einschränkungen für Technologiegiganten.


[1] https://www.economist.com/europe/2020/10/22/a-second-wave-of-covid-19-sends-much-of-europe-back-into-lockdown


 

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

 

Mehr zu diesem Thema