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Wöchentliches Investment Update – Ein grüner Schwan!

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BNP Paribas Asset Management
 

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Die Wiedereröffnung der Volkswirtschaften setzt sich fort, und die besseren Konjunkturdaten zeigen die Stärke der zyklischen Erholung. Hinweise auf steigende Inflation haben die Rentenmärkte nicht übermäßig in Aufruhr versetzt. Bisher glaubt man den Zentralbanken, die sagen, dass die Inflation nur vorübergehend steigen dürfte.

Covid 19 – immer weniger neue Fälle

Die Zahl der neuen Covid-Fälle sinkt weltweit weiter. Die Gesamtzahl der  weltweiten Fälle ist inzwischen auf weniger als 500.000 pro Tag gefallen, während die neuen Fälle in Indien weiter auf weniger als 150.000 täglich zurückgegangen sind.

Die Ansteckungsgefahr stellt in Lateinamerika ein Problem dar , da die Infektionsratennach wie vor hoch sind. In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften geht die Infektionsrate mit zunehmender Impfabdeckung zurück. Im Vereinigten Königreich konnte nachgewiesen werden, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen die indische Variante nur unwesentlich gemindert ist; das beschwichtigt vorerst die Angst davor, dass neue Varianten die wirtschaftliche Wiedereröffnung beeinträchtigen könnten.

Abwarten an den US-Rentenmärkten

Das im Mai veröffentlichte Protokoll der Aprilsitzung des US-Offenmarktausschusses zeigte, dass mehr geldpolitische Entscheidungsträger als erwartet dafür sind, „lieber früher als später“ mit der Drosselung der quantitativen Lockerung der Zentralbank zu beginnen.

Die Nominalrenditen der US-Anleihen stiegen daraufhin auf ihren höchsten Stand seit Anfang April. Seitdem gingen sie wieder zurück und lagen Ende Mai bei rund 1,59 %.

Im Protokoll wurde betont, dass wenn „eine gewisse Zahl an Teilnehmern“ der Meinung wäre, dass sich die US-Konjunktur weiter erholt, „es irgendwann im Laufe der nächsten Sitzungen angebracht sein könnte, mit Diskussionen über einen Plan zur Anpassung des Rhythmus der Anleihekäufe im Rahmen der quantitativen Lockerung zu beginnen.“ Während andere Teilnehmer betonten, dass „die Engpässe in den Lieferketten und die Knappheit an Inputgütern so schnell nicht vorüber sein dürften und wenn dem so ist, diese Faktoren auch über dieses Jahr hinaus die Preise in die Höhe treiben könnten.“

Die Reaktionen verschiedener Fed-Gouverneure sind seitdem trotz weiterer Überraschungen beim Anstieg der Erzeugerpreise und des Index der privaten Konsumausgaben (PCE) (+3,1 % im Jahresvergleich, ohne Nahrungsmittel und Energie, gegenüber +1,9 % im März) gemäßigt: Ihrer Meinung nach wird sich die Erholung nur vorübergehend auf die Inflation auswirken.

US-Geschäftsklimaumfragen zeigten, dass man auf eine weitere Verbesserung der Konjunkturaktivität im Juni hofft. Allerdings konzentrieren sich die Märkte jetzt mehr darauf, wann mit einer Verlangsamung zu rechnen ist.

Die Märkte preisen trotzdem weiterhin eine aggressivere Leitzinsanhebung ein als aus den Dot Plots der Fed hervorgeht. Derzeit pausieren die Märkte im Vorfeld des Arbeitsmarktberichts am 4. Juni und der geldpolitischen Sitzung der Fed am 16. Juni.

Europa holt langsam auf

Im früheren Verlauf des Monats Mai überstiegen die umfassenden Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone die Konsensprognosen und zeigten, dass die Erholung im zweiten Quartal voranschreitet, was für die Umfrageergebnisse der kommenden Monate Gutes ahnen lässt.

Es dürfte weiterer Spielraum bestehen, denn dank der Impfkampagnen kann die Wiedereröffnung der Volkswirtschaften fortgesetzt werden. Man kann daher durchaus sagen, dass sich in Europa eine Aufholung deutlich abzeichnet. Es ist nicht auszuschließen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) aufgrund des besseren Ausblicks im Juni den Fuß vom geldpolitischen Gaspedal nehmen wird.

Der Preisdruck in der Eurozone nimmt jedoch aufgrund des immer größeren Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage unvermindert stark zu. Am 28. Mai veröffentlichten Daten zufolge ist der harmonisierte Verbraucherpreisindex der Eurozone (HVPI) im Mai um 2 % gestiegen, gegenüber 1,6 % im April. Das Ungleichgewicht zeigt sich unter anderem darin, dass es in der gesamten Eurozone weiterhin zu Störungen der Lieferketten kommt, zu denen auch Schwierigkeiten bei Wiedereinstellungen zählen.

Der EZB-Rat tritt nächste Woche zusammen, um über eine Anpassung der Geldpolitik – u. a. den in der jüngsten Zeit erhöhten Rhythmus der Anleihekäufe – als Reaktion auf Zeichen für eine zunehmende Konjunkturaktivität und steigende Preise nach der Lockerung der Covid-bedingten Lockdowns zu entscheiden.

Mehrere geldpolitische Entscheidungsträger, zu denen auch die EZB-Vorsitzende Christine Lagarde zählt, bestanden allerdings darauf, dass der jüngste Inflationsanstieg auf Einmaleffekte zurückzuführen ist und nicht von Dauer sein dürfte. Sie gehen davon aus, dass er nächstes Jahr nachlassen wird. Der Anstieg der Energiepreise in der Eurozone um 13,1 % im Jahresvergleich war der Hauptfaktor für den Anstieg des HVPI auf seinen höchsten Stand seit Oktober 2018. Die Kerninflation – ohne die volatileren Preise für Energie, Nahrungsmittel, Alkohol und Tabak – stieg weniger stark als die tatsächliche Inflationsrate, von 0,7 % im April auf 0,9 % im Mai (siehe Diagramm 1).

Diagramm 1 Inflation und Inflationserwartungen in der Eurozone haben zugenommen, was aber nicht von Dauer sein dürfte

Green Bonds und ein grüner Schwan

Das Emissionsvolumen an Green Bonds vergrößert sich im Jahr 2021 schnell. Bisher waren Emissionen in Höhe von rund 200 Mrd. USD zu verzeichnen. Es ist durchaus möglich, dass sich die Gesamtemissionen dieses Jahr auf 430-460 Mrd. USD belaufen werden, denn es stehen noch mehrere der Monate, in denen üblicherweise höhere Emissionen erfolgen, bevor.

Auch das Emissionsvolumen von Sustainability-linked Anleihen hat sich in diesem Jahr verdoppelt, ihnen wird für das Jahr 2021 ein Wachstum zwischen 80 Mrd. USD und 110 Mrd. USD prognostiziert.

Heute beginnt die Veranstaltung ‘Green Swan 2021 – Coordinating finance on climate’ – die erste Konferenz dieser Art für Zentralbanken. Die Online-Konferenz wird von der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, der Banque de France, dem Internationalen Währungsfonds und dem Network for Greening the Financial System (NGFS) unterstützt. Ihr Thema lautet: „Wie kann der Finanzsektor in der Praxis umgehend Maßnahmen gegen Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel ergreifen?“

Das NGFS weist nachdrücklich darauf hin, dass klimabezogene Risiken Teil der Finanzrisiken sind. Für Finanzinstitute und Aufsichtsbehörden handelt es sich daher nicht um zusätzliche Optionen, sondern um Bestandteile eines soliden Risikomanagements. Klimabezogene Risiken sind ein wesentlicher Teil der wichtigsten Pflicht von Finanzinstituten und Aufsichtsbehörden – die Pflicht, finanzielle Stabilität zu gewährleisten.

Die EZB plant in diesem Herbst einen Bericht über die Dekarbonisierung ihrer Bilanz zu veröffentlichen und die Anlagen mit der höchsten CO2-Intensität von ihren Anleihekäufen auszuschließen. In den laufenden Diskussionen ist von drei Tools die Rede:

  1. Modellierung Die EZB arbeitet an der Verbesserung ihrer Analyse der wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels. Sie veröffentlichte ihre ersten Szenarios im Juni 2020 und wird diese jedes Jahr aktualisieren (die erste Aktualisierung ist für nächste Woche geplant).
  2. Offenlegung Die EZB beabsichtigt, ihre klimabezogenen Risiken offenzulegen und verpflichtet ihre Gegenparteien zur Offenlegung. Das dürfte eine starke Beispielwirkung haben.

Transaktionen Die EZB zieht in Erwägung, klimabezogene Risiken bei der Bewertung ihrer Sicherheiten- und Anlagenkäufe zu berücksichtigen, deren Schwerpunkt auf Unternehmen liegt. Es könnten Daten zur Klimakonformität genutzt werden, um nach und nach die Politik der EZB im Zusammenhang mit Käufen von Unternehmensanleihen und ihre Sicherheitspolitik weiterzuentwickeln.


Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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