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Wöchentliches Investment Update – Das Robinhood-Signal

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Daniel MORRIS
 

Die jüngsten, extremen Schwankungen der Aktienkurse, die teilweise auf die Verwendung von kostengünstigen Online-Tradingplattformen durch Kleinanleger zurückzuführen waren, wurden mitunter als Zeichen für unverhältnismäßigen Übermut und Übertreibung an den Märkten gewertet.

Unsere „Marktdynamik“-Tools zeigen in der Tat Zeichen für Konsolidierung an den wichtigen Aktienmärkten, sowohl auf kurze als auch auf mittlere Sicht. Auf längere Sicht – während der zweiten Hälfte des Jahres 2021 – prognostizieren sie weiterhin einen Aufwärtstrend der Aktien.

Ein weiterer Hinweis auf Positionen mit übertriebener Bewertung war das extrem niedrige Put-Call-Ratio, da besonders viele Kaufoptionen auf einzelne Aktien gekauft wurden. Das Verhältnis war jedoch für Aktienindizes näher am Normalwert und ist seitdem gestiegen, was darauf hindeutet, dass sich das Risiko stärker auf einzelne Aktien konzentriert (siehe Diagramm 1).

exhibit 1 GER

Die Auswirkungen von konzentriertem Aktienrisiko

Dieses konzentrierte Aktienrisiko wurde am allgemeinen Markt letzte Woche schnell spürbar. Short-Positionen gerieten unter Druck, so dass viele Anleger Long-Positionen liquidieren mussten, um die Verluste bei Short-Positionen auszugleichen und Nachschusspflichten zu erfüllen.

Das könnte erklären, warum die Renditen bei unterschiedlichen Anlagestilen und -volumina ungewöhnlich ähnlich waren: Die globalen Indizes für Large Caps, Mid Caps, Small Caps, Werte und Wachstum erzielten bis zum letzten Freitag (29/01) nahezu identische wöchentliche Ertäge. Die relativ schlechte Performance der Wertindizes ist auch überraschend, wenn sowohl die Renditen der Staatsanleihen als auch die Inflationserwartungen und die Ölpreise im Laufe der Woche steigen.

Während in verschiedenen Teilen des Marktes zunehmend Optionen positioniert werden [2], liefern die Kapitalströme andere Informationen. Die jüngsten Daten sind beschränkt, aber mindestens im dritten Quartal 2020 betrug das in Aktien fließende Kapital nahezu Null, wobei die bescheidenen Kapitalströme von Kleinanlegern durch Rücknahmen von Institutionen wettgemacht wurden. Seitdem veröffentlichte, unvollständige Daten zeigen anhaltende Rücknahmen von Investmentfonds und börsengehandelten Fonds (ETFs) (siehe Diagramm 2).

exhibit 2 GER

Es ist anzumerken, dass institutionelle Anleger im Verlauf des Bullenmarktes seit März 2009 Aktien im Wert von über 800 Mrd. USD zurückgezahlt haben, während Privatanleger ungefähr den gleichen Betrag investiert haben. Angesichts dieser Tatsache kann man sich fragen, welche Gruppe die Bezeichnung „Smart Money“ verdient.

Ein positiver Faktor – Hohes Gewinnwachstum

Eine der wichtigsten Grundlagen für unseren eher positiven, längerfristigen Ausblick ist das anhaltend starke Wachstum der Gewinne der US-Unternehmen. Rund die Hälfte der S&P 500-Unternehmen haben bisher ihre Gewinne gemeldet, und das Gewinnwachstum ist mit nur +2% auf den ersten Blick zugegebenermaßen alles andere als beeindruckend. Nach einem Jahr mit einem BIP-Rückgang um 3,5% kann dieser Wert allerdings als stolze Leistung betrachtet werden.

Die Gewinneinbrüche konzentrieren sich überwiegend auf die Branchen Energie und Fluggesellschaften, da wesentlich weniger gereist wird. Ohne diese beiden Sektoren beträgt das Gewinnwachstum 12%. Auch der Umsatz ist für dieses Untersegment des Marktes ist um 8% im Vorjahresvergleich gestiegen.

Diese positiven Zahlen stehen im Kontrast zum von den Analysten erwarteten Gewinnrückgang. Mit 17% gab es in diesem Quartal ungewöhnlich viele Gewinnüberraschungen (ebenso wie im zweiten und dritten Quartal des letzten Jahres). Die Guidance der Unternehmen ist darüber hinaus zu über 45% positiv – das ist wesentlich mehr als die üblichen 23%.

Vorsicht – Guidance ist dünn gesät und der Stimulus könnte zu niedrig ausfallen

Eine gewisse Vorsicht ist allerdings angebracht. Viele Unternehmen halten sich mit ihrer Guidance aufgrund der zahlreichen Unsicherheitsfaktoren im Zusammenhang mit der Pandemie, Impfstoffen und fiskalischem Stimulus noch zurück. Im Vergleich zum selben Quartal des Vorjahres haben nur zwei Drittel der Unternehmen überhaupt Guidance vorgelegt.

Letztendlich sind die Gewinnrevisionen ein Lichtblick, obwohl diese auch ein Risiko deutlich machen. Das Verhältnis der positiven Gewinnrevisionen zu den negativen beträgt derzeit 2:1, denn die Analysten preisen den von der Biden-Regierung geplanten, umfassenden Stimulus ein.

Es könnte jedoch nicht zu dem von den Analysten vorhergesagten Gewinnanstieg kommen, da die republikanische Opposition im Senat einen wesentlich niedrigeren Betrag vorschlägt. Sollte die Regierung allerdings die Haushaltsabstimmung nutzen, um das umfassendere Paket durchzusetzen, könnte das zukünftige Ausgabenpläne für Infrastruktur oder den Green New Deal bedrohen.

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[1] In unserem letzten Wöchentlichen Anlageüberblick beobachteten wir Folgendes: „… Darüber hinaus macht man sich immer mehr Sorgen um eine Spekulationsblase bei Aktien. Die Daten der Federal Reserve zeigen, dass dank der hohen Gewinne des letzten Jahres Aktien jetzt einen hohen Anteil am Vermögen der US-Haushalte darstellen.“ Siehe „Americans are holding a record amount of their portfolios in stocks, surpassing dotcom-bubble levels, JPMorgan says“ (Laut JPMorgan halten die Amerikaner einen enormen Anteil ihrer Portfolios in Aktien und übertreffen bereits die während der dotcom-Blase erreichten Rekorde)und „Households and Nonprofit Organizations; Directly and Indirectly Held Corporate Equities as a Percentage of Total Assets“ (Haushalte und gemeinnützige Organisationen; Prozentualer Anteil am Gesamtvermögen von direkt und indirekt gehaltenen Aktien von Unternehmen), Federal Reserve Bank of St. Louis; https://fred.stlouisfed.org/series/BOGZ1FL153064476Q

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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