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Wöchentliches Investment Update – 24. Juni 2020

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Marina CHERNYAK
 

Immer mehr Länder heben ihre Corona-Beschränkungen auf und die Stimmungsindikatoren erholen sich. Die Mobilität nimmt wieder zu. Das dürfte zu einer schnelleren Erholung der Realwirtschaft beitragen als ursprünglich geplant. Die Daten scheinen ihren Tiefpunkt erreicht zu haben, und die Märkte hoffen im weiteren Verlauf auf eine stärkere Erholung.

Die Anzahl von Coronavirus-Fällen weltweit übersteigt inzwischen 9 Millionen und die Zahl der Todesfälle nähert sich einer halben Million. Derzeit liegt der Schwerpunkt eindeutig auf Amerika; sowohl in Lateinamerika als auch in den USA wächst die Anzahl an Neuinfizierten.

In Europa hat ein Wiederanstieg der Epidemie zu einem erneuten Lockdown für rund 370.000 Einwohner der Region Gütersloh in Nordwestdeutschland geführt. Diese Neuigkeit und der Anstieg der vom Robert Koch Institut ermittelten Reproduktionszahl (auf 2,88) erregten großes Aufsehen.

In den USA nehmen die täglichen Neuinfektionen zu, allen voran in den großen Bundesstaaten im Süden und Westen, wie Florida, Texas und Kalifornien. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Zahl der Todesopfer weiter zurückgeht. Krankenhausaufenthalte wegen einer aktiven COVID-19-Erkrankung nehmen in manchen Bundesstaaten allerdings so stark zu wie es zuletzt Mitte Mai der Fall war. Durch diese Entwicklung vergrößert sich die Angst vor einer zweiten Welle natürlich, obwohl der bekannte US-Epidemiologe Dr. Michael Osterholm das Problem anders (und eindeutig noch alarmierender) darstellt: „Ich denke nicht, dass wir eine zweite oder dritte Welle erleben werden – meiner Meinung nach haben wir es mit einer sehr schwierigen Ausbreitung der Fälle, vergleichbar mit einem Waldbrand, zu tun.“

Im weiteren Sinne warnte die Weltgesundheitsorganisation am Freitag, dass uns „eine gefährliche Phase der Pandemie bevorsteht, da die Menschen es leid sind, zu Hause zu bleiben und die Länder ihre Wirtschaft wieder ankurbeln möchten. COVID-19 breitet sich aber weiterhin schnell aus und ein Großteil der Weltbevölkerung hat noch keine Immunität erlangt“.

Konjunkturausblick

Was die makroökonomischen Daten betrifft, so wurden diese Woche die aktuellsten Einkaufsmanagerindizes (PMI) veröffentlicht (siehe Diagramm 1 unten). Diese Daten bleiben für Anleger wichtige Wegweiser zur wirtschaftlichen Aktivität, da sie aktueller sind als die offiziellen Daten. Die Daten für die Eurozone stammen aus der Zeit zwischen dem 12. und 22. Juni, und die Werte sind nach wie vor ein Rätsel. Theoretisch werden die Unternehmen befragt, ob die Produktion im Monatsverlauf gestiegen oder gesunken ist. Ein Nettosaldo von 50 in der Umfrage impliziert, dass sich die Zahl der Unternehmen, die eine negative oder positive Veränderung der Produktion verzeichnet haben, in alle Richtungen berichten.

Diagramm 1:

Chart DE

Betrachten wir die jüngste Entwicklung der Bilanz des PMI für Dienstleistungen in der Eurozone, kommen wir zu der Schlussfolgerung, dass die Aktivität zwischen Mai und Juni weiter zurückgegangen ist, nachdem bereits im März, April und Mai starke Einbrüche zu verzeichnen waren. Den Verlauf der Erholung kann man bestenfalls als L-förmig beschreiben. Diese Schlussfolgerung stimmt nicht mit der grundlegenden Intuition überein: Da sich die Wirtschaft allmählich erholt, kann man nur schwer glauben, dass die Aktivität zwischen Mai und Juni weiter zurückgegangen ist. In der Tat deuten eine Reihe von Indikatoren, die die wirtschaftliche und soziale Mobilität erfassen, auf eine allmähliche Rückkehr zur Normalität hin. Wir denken, dass sich viele Anleger lieber auf das Gesamtniveau des PMI konzentrieren, wobei sie das Zustandekommen der Daten und die Bedeutung des Wertes 50, der auf eine unveränderte Situation hinweist, ignorieren. Deshalb betrachten sie den deutlichen Anstieg zwischen Mai und Juni auch als Beweis für eine V-förmige Erholung. Unsere Annahmen befinden sich irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.

Marktausblick

  • Die Finanzlage verbessert sich weiter, vor allem in Form niedrigerer Realrenditen, besserer Finanzierungsbedingungen und steilerer Renditekurven. In den USA sind die finanziellen Rahmenbedingungen absolut entgegenkommend. In Europa sind sie restriktiv, lassen aber nach mit der Zeit. Wir rechnen nach wie vor mit einer weiteren Verengung der Renditespreads und einer Normalisierung der Volatilität im Laufe des Sommers. Das könnte ein positives Umfeld für Wirtschaft und Märkte schaffen.
  • In Europa stieß die neue TLTRO-Übernahme* durch Banken aufgrund der angebotenen, großzügigen Finanzierungssätze auf viel Enthusiasmus. Die hohe Beteiligung der Banken aus Peripherieländern könnte bedeuten, dass die Unterstützung von Staatsanleihen aus Peripherieländern wahrscheinlich weiterhin stark bleiben. Darüber hinaus erwarten wir, dass die neue TLTRO zur Vereinfachung der Kreditbedingungen beitragen wird. Sie dürften insgesamt den Gewinnen der europäischen Banken zugutekommen und sich positiv auf die europäische Wirtschaft auswirken.
  • Mit der Stabilisierung des Marktes sind weitere Zuflüsse zu riskanteren Anlagen (High-Yield-Anleihen, Aktien und Schwellenländer) zu verzeichnen. Während die Zuflüsse in Tech-Aktien zwar anhalten, ist bei Aktien eine Rotation in risikoreichere zyklische Aktien zu beobachten. Die Abflüsse aus Geldmarktfonds beschleunigen sich. Überschüssige Barmittel, für das man zum Höhepunkt der Pandemie Zuflucht gesucht hat, soll nun besser angelegt werden. Das dürfte während des Sommers die Nachfrage nach riskanten Anlagen und den Rückgang der Risikoprämie ankurbeln.
  • Trotz der niedrigen Gewinne 2020 erholen sich die Aktienmärkte allmählich. Offensichtlich blicken sie über 2020 hinaus bereits auf das Jahr 2021, für das die Gewinnprognosen denjenigen für 2019 entsprechen. Die Risikoprämie für US-Aktien ist aufgrund des starken Rückgangs der US-Zinsen in diesem Jahr tatsächlich interessanter als 2019. In Europa sieht die Situation anders aus, da die langfristigen Zinsen nur wenig Spielraum für eine Senkung hatten.
  • Seit dem Höhepunkt der Pandemie haben die Herabstufungen der Ratings stark zugenommen. Die Unterstützung durch die Zentralbanken hilft jedoch, dem entgegenzuwirken. Der Neuemissionsmarkt hat sich aufgrund der wesentlich niedrigeren Finanzierungskosten verbessert. Für viele Unternehmen hat sich die Liquidität der Bilanz daher deutlich erhöht, was zu einem Rückgang der Kreditrisikoprämie führte. Dennoch dürfte das Herabstufungs- und Ausfallrisiko für kleine und große Unternehmen weiterhin hoch bleiben.

* Targeted longer-term refinancing operations (in Deutsch: Gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte)

Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, basieren auf den verfügbaren Informationen und können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen.

Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück.

Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) wahrscheinlich einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen.

Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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