Der Assetmanager für eine Welt im Wandel
BNP PARIBAS ASSET MANAGEMENT - Finance 4 1440x300
  • Home
  • Ziehen die Notenbanken jetzt allmählich an einem Strang?

Ziehen die Notenbanken jetzt allmählich an einem Strang?

Blick auf die Welt, Market commentary, Wöchentliches Strategie-Update

Colin HARTE
 

Jüngster Ausverkauf von Anleihen scheint übertrieben

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag Fachausdrücke enthält. Er eignet sich daher nicht für Leser ohne professionelle Investmenterfahrung.

ZUSAMMENFASSUNG

  • Sehen die Notenbanken das Licht am Ende des Tunnels?
  • Asset-Allokation: vorübergehende Anhebung der unterdurchschnittlichen Duration im Euroraum

Auch letzte Woche war es an den Aktien- und Anleihemärkten unruhig. Nach den jüngsten Äu-ßerungen von EZB-Präsident Draghi und BoE-Gouverneur Carney hielten viele Marktteilneh-mer eine baldige Straffung der Geldpolitik, also das Ende des Quantitative Easing, für wahr-scheinlicher. Insbesondere am Anleihemarkt führte dies zu einem Ausverkauf, weil man trotz der allgemein niedrigen Inflation mit einer synchronen Änderung der Geldpolitik rechnete. Hinzu kamen Äußerungen mehrerer Offenmarktausschussmitglieder, die ungeachtet der zuletzt schwächeren US-Konjunkturdaten zu einer weiteren Zinsnormalisierung bereit schienen. Zuletzt sind die Märkte zwar volatiler geworden, aber im langfristigen Vergleich ist die Volatilität noch immer niedrig.

WACHSENDE SORGEN WEGEN DER REAKTIONSFUNKTIONEN DER NOTENBANKEN

Seit der Finanzkrise 2007/2008 haben die Notenbanken weltweit meist asymmetrisch reagiert. Wenn die Inflation hinter den Zielwerten zurückblieb, lockerten sie die Geldpolitik deutlich stär-ker als sie sie strafften, wenn ein Überschreiten der Inflationsziele drohte. In den letzten Mona-ten haben aber etliche Zentralbankvertreter – in den USA wie in Europa – erstmals Bedenken geäußert, dass die zurzeit außergewöhnlich lockere Geldpolitik zu einer übermäßigen Asset-preisinflation führen könnte (obwohl die Verbraucherpreisinflation die offiziellen Zielwerte nicht erreicht). Die Folge könnten Preisblasen an den Finanzmärkten und eine Destabilisierung des Finanzsystems sein.

NEUBEWERTUNG WÜRDE ZUNÄCHST ANLEIHEN SCHADEN

Wenn die führenden Notenbanken allmählich stärker auf die Finanzmärkte achten und zugleich mehr als zuvor bereit sind, ein längeres Unterschreiten der Inflationsziele zu akzeptieren – eine grundlegende Verhaltensänderung –, dürfte sich dies als erstes auf die Staatsanleihenmärkte auswirken. Und genau das ist zuletzt passiert: Es kam zu einem Ausverkauf von Anleihen und einem Renditeanstieg. Dies spricht für straffere Finanzbedingungen.

TAKTISCHE DURATIONSANPASSUNG

Nach dem Ausverkauf am Anleihemarkt in der letzten Woche haben wir unsere unterdurch-schnittliche Duration im Euroraum etwas angehoben. Dies ist eine taktische Entscheidung, da wir eine unterdurchschnittliche Duration langfristig noch immer für sinnvoll halten. Kurzfristig halten wir den Ausverkauf aber für übertrieben und erwarten eine Korrektur, bei der die Rendi-ten wieder fallen. Ohnehin könnte das seit längerem negative Nettoangebot von Qualitätsanlei-hen (mehr Rückzahlungen als Neuemissionen) zu einer Knappheitsprämie führen. Das würde tendenziell niedrigere Renditen bedeuten, insbesondere bei deutschen Bundesanleihen.

Unsere übrigen Strategien bleiben unverändert. Wir halten amerikanische Aktien für stärker überbewertet als europäische. Da britische Titel stärker mit den USA korreliert sind, sind wir im Euroraum gegenüber Großbritannien übergewichtet. Damit tragen wir auch der Tatsache Rechnung, dass wir für britische Aktien wesentlich pessimistischer sind als der Marktkonsens.

Ganz anders ist die Lage am Immobilienmarkt. Europäische Immobilienaktien haben in diesem Jahr viel hinzugewonnen, während die Performance amerikanischer Titel deutlich schwächer war (vgl. Abbildung). Da wir für die kommenden Monate einen Trendwechsel erwarten, sind wir in amerikanischen Immobilien jetzt übergewichtet – denn wir rechnen mit wachsender Nachfra-ge bei einem begrenzten Angebot.

HIGH-YIELD-ANLEIHEN SCHEINEN ÜBERBEWERTET

Die High-Yield-Märkte scheinen überbewertet. Insbesondere glauben wir, dass sie noch nicht stark genug auf den jüngsten Ölpreisrutsch und das Risiko von Zahlungsausfällen im amerika-nischen Energiesektor reagiert haben. Etwa 30% des High-Yield-Markts entfallen auf dieses Segment.

Dollardenominierte Emerging-Market-Anleihen halten wir gegenüber Lokalwährungsanleihen für überbewertet. Wir sind deshalb in Lokalwährungsanleihen gegenüber dollardenominierten Anleihen übergewichtet. Damit dürften wir auch von Währungsgewinnen profitieren, wenn viele zurzeit sehr billiger Emerging-Market-Währungen wie von uns erwartet aufwerten

Redaktionsschluss: 10. Juli 2017

WSU

Mehr zu diesem Thema

BNP PARIBAS ASSET MANAGEMENT - Selection 1 1440x300
Januar 26, 2018 3 min
Blick auf die Welt, Investment Insight, Wöchentliches Strategie-Update
BNP PARIBAS ASSET MANAGEMENT - Strategie Epargne 1400x300
Dezember 13, 2017 4 min
Blick auf die Welt, Market commentary, Wöchentliches Strategie-Update
BNP PARIBAS ASSET MANAGEMENT - AC diversification 1440x300
November 30, 2017 3 min
Blick auf die Welt, Market commentary, Wöchentliches Strategie-Update