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Wenn vieles unklar ist, sind sichere Häfen gefragt

Blick auf die Welt, Market commentary, Wöchentliches Strategie-Update

Colin HARTE
 

Milde Äußerungen der Notenbanken lassen die Renditen weiter fallen

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag Fachausdrücke enthält. Er eignet sich daher nicht für Leser ohne professionelle Investmenterfahrung.

ZUSAMMENFASSUNG

  • Kursgewinne bei Langläufern, da Anleger Schutz suchen
  • EZB: Abwarten
  • Asset-Allokation: US-Dollar long; Duration untergewichtet, vor allem in Europa

Letzte Woche sorgte vor allem die Weltpolitik für Schlagzeilen. Der große nordkoreanische Atomtest wurde weithin verurteilt. Selbst Angela Merkel, die so leicht nichts aus der Ruhe bringt, erklärte, dass Pjöngjangs Provokationen eine neue Dimension erreicht hätten. Für Investoren war dies Grund genug, Risiken abzubauen, sodass langlaufende Anleihen stark zulegten und die klassischen sicheren Häfen Mehrerträge verzeichneten. Aber Nordkorea war nicht alles, wie wir noch sehen werden. Die US-Staatsanleiherenditen fielen auf ein Niveau wie zuletzt vor den Präsidentschaftswahlen – und Gold entwickelte sich ebenso gut wie jene Währungen, die wie der Schweizer Franken und der japanische Yen als sichere Häfen gelten. Die niedrigeren Marktrenditen schadeten Bankaktien, aber amerikanischen Immobilienaktien halfen sie uner-wartet wenig – vielleicht wegen des noch immer schwachen Dollars. Er begünstigt große Ex-porteure gegenüber binnenorientierten Unternehmen, etwa aus der Immobilienbranche.

In puncto Konjunkturdaten war die letzte Woche weniger gut: In den USA hatten die Bestellun-gen langlebiger Güter im Juli die Markterwartungen verfehlt; allerdings ist die Kernrate etwas gestiegen. In Europa änderte sich der Composite-PMI für August durch die letzte Revision nicht. Die unveränderten Euroraum-Produzentenpreise entsprachen ebenfalls nicht den Erwartungen. Enttäuschend waren auch die britischen Zahlen: Der Bau-PMI im August war überraschend schwach, und der Dienstleistungs-PMI fiel auf ein Elfmonatstief.

Unsere Asset-Allokation bleibt unverändert.

Anleihenrallye

Im Sommer sind die Anleihenkurse stark gestiegen. Vor allem letzte Woche legten sie deutlich zu, sodass die US-Staatsanleiherenditen fast auf ein Jahrestief fielen. So niedrig waren sie zuletzt vor der Wahl von Donald Trump im letzten November gewesen (vgl. Abbildung). Ein Grund dafür war das nordkoreanische Säbelrasseln. Aber er war nicht der einzige:

Eine Reihe von Vertretern der Fed, Boardmitglied Brainard und der lokale Fed-Präsident Kash-kari, äußerten sich sehr milde. Obwohl das für Frau Brainard nicht ungewöhnlich ist, reagierten die Renditen – an den Märkten ist man offensichtlich nervös. Kashkari betonte vor allem die Geduld der Fed. Nach seinen Worten könne es durchaus sein, dass die Zinserhöhungen in den letzten 18 Monaten zu einem geringeren Beschäftigungswachstum führen. „Dann werden mehr Menschen keine Stelle finden, die Löhne schwächer wachsen und Inflation sowie Inflationserwartungen zurückgehen“, so Kashkari.

Der Rücktritt des Falken Stanley Fisher galt allgemein als Stärkung der Tauben, was ebenfalls für Druck auf die Renditen sorgte. Mitte 2018 wäre seine Amtszeit ohnehin ausgelaufen, doch dann entschied er sich aus persönlichen Gründen für einen vorzeitigen Rückzug. Präsident Trump dürfte so mehr Möglichkeiten haben, das siebenköpfige Board der Fed nach seinen Wünschen umzubauen.

Die geringe Risikobereitschaft der Investoren hatte aber auch damit zu tun, dass die Folgen der Hurrikans für die US-Wirtschaft noch nicht bekannt sind. Das schlechte Wetter dürfte in den nächsten Monaten für einige Volatilität der US-Daten sorgen: Die Erstanträge auf Arbeitslosen-geld waren schon betroffen; in Texas stiegen sie um 52.000. Wir glauben aber nicht, dass dies den mittelfristigen US-Wachstumsaussichten schadet, denn die Reparatur der Hurrikanschäden dürfte zu höheren Ausgaben und mehr Nachfrage führen.

Ein weiterer Grund zur Sorge war die amerikanische Schuldengrenze. Aber das Problem löste sich bald: Man verabredete, eine dauerhafte Lösung bis Dezember zu verschieben. Hätte man die Schuldengrenze nicht angehoben, wäre ein technischer – und beispielloser – Ausfall ameri-kanischer Staatsanleihen möglich geworden. Trump überraschte die Märkte, in dem er sich mit den Demokraten auf ein dreimonatiges Moratorium einigte. Außerdem stellte er sich gegen die Republikaner, als er sagte, dass es gute Gründe für eine Abschaffung der Schuldengrenze gäbe.

EZB: Noch sagen wir nichts

Die reguläre EZB-Ratssitzung brachte keine Überraschungen. Präsident Mario Draghi äußerte sich nicht zur Eurostärke. Er erwähnte lediglich, dass die jüngste Wechselkursvolatilität für Un-sicherheit sorgt und beobachtet werden muss. Faktisch spielte er mögliche Sorgen herunter indem er erklärte, dass der Anstieg des Euro etwas mit besseren Konjunkturdaten im Euroraum zu tun habe. Dies zeigte sich auch in der Revision der EZB-Wachstumsprognosen. Ermutigend ist, dass die Erholung auf einer breiten Basis steht und stabil ist. Kleinere Änderungen gab es bei den Inflationserwartungen; offensichtlich ignorieren die EZB-Mitarbeiter mögliche Zweitrundeneffekte durch den stärkeren Euro und sehen generell keinen Grund zur Sorge. Währungsinvestoren hielten Draghis Rede für ein positives Signal für den Euro, sodass die Währung weiter leicht aufwertete.

Draghi erklärte auch, dass der Offenmarktausschuss mit den „allerersten“ Diskussionen über die Zukunft des Quantitative Easing begonnen habe. Er deutete an, dass die nächste Ratssit-zung im Oktober ein Statement zum Tapering bringen könnte.

Asset-Allokation: US-Dollar long, Duration untergewichtet

Im Währungsbereich bleiben wir bei unserer Long-Position im US-Dollar gegenüber dem Euro – einer Langfristposition, von der wir überzeugt sind. Der Dollar könnte sich früher als erwartet erholen; der offensichtliche Höchststand des Euroraum-PMIs könnte eine Änderung der Markt-stimmung einläuten.

Unsere Portfolioduration ist unterdurchschnittlich, insbesondere in Europa – denn wir glauben, dass die EZB als eine der ersten großen Notenbanken auch auf die Finanzmärkte achten wird.

Noch einige Worte zu unseren anderen Strategien: Wir halten US-Aktien für stärker überbewertet als europäische Titel. Daher sind wir in Euroraum-Aktien gegenüber amerikanischen und britischen Papieren übergewichtet.

Im Immobilienbereich behalten wir unsere Übergewichtung der USA bei. Wir glauben, dass sich die Entwicklung in den nächsten Monaten umkehrt, da die Nachfrage nach US-Immobilien voraussichtlich steigt.

Redaktionsschluss: 11. September 2017

wsu

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