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Ruhiges Herbstwetter an den Märkten – auch wenn noch so viel passiert ist

Blick auf die Welt, Market commentary, Wöchentliches Strategie-Update

 

Die Notenbanken bleiben bei dem, was sie signalisiert haben

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag Fachausdrücke enthält. Er eignet sich daher nicht für Leser ohne professionelle Investmenterfahrung.

ZUSAMMENFASSUNG

  • Fed, Brexit, Merkels Wiederwahl: Keine Überraschungen für die Märkte
  • Bank of England: Maßvolle Verschärfung der Rhetorik
  • Long-Position in zehnjährigen australischen Staatsanleihen gegenüber US-Staatsanleihen erfolgreich

 

Im Wochenverlauf waren die Finanzmärkte recht stabil. An Trumps aggressive Rhetorik zur Weltpolitik gewöhnt man sich allmählich, sodass seine Rede vor der UN-Vollversammlung keine Überraschung war. Japanische Aktien legten 2% zu, mehr als andere Märkte – wegen der guten Außenhandelsdaten (vgl. Abbildungen) und weil die Notenbank ihre expansive Geldpolitik beibehalten will. Staatsanleihen entwickelten sich uneinheitlich und bewegten sich meist seitwärts. Deutliche Gewinne gab es bei portugiesischen Papieren, nachdem die Ratingagentur S&P das Länderrating heraufgestuft hatte. Der schwächste Rohstoff war letzte Woche Eisenerz; der Preis fiel um 12%, da man zu hohe Lagerbestände fürchtete und Spekulanten vor Beginn der Wintersaison ihre Positionierung änderten, weil dann in der Regel weniger produziert wird.

FED, BREXIT, MERKELS WIEDERWAHL: KEINE ÜBERRASCHUNGEN FÜR DIE MÄRKTE

Die Fed informierte über den schon vorher vielfach angekündigten Beginn der Bilanzsummenverringerung im Rahmen der Normalisierung ihrer Geldpolitik. Schritt für Schritt wird die US-Notenbank weniger Rückflüsse aus fälligen Anleihen wiederanlegen, angefangen mit 10 Mrd. US-Dollar monatlich (6 Mrd. USD Staatsanleihen, 4 Mrd. US-Dollar Mortgage-Backed Securities). Die Ankündigung hatte kaum Auswirkungen auf die Kurse; die US-Zehnjahresrendite stieg im Wochenverlauf nur um etwa vier Basispunkte. Das Volumen auslaufender Titel, die nicht ersetzt werden, wird langsam auf 50 Mrd. US-Dollar monatlich erhöht. Die Folgen dieser Entscheidung, also einer langsamen Straffung der Geldpolitik, werden aber durch die anhaltend lockere Geldpolitik anderer führender Notenbanken abgefedert. Dies dürfte zu einer weiterhin hohen Nachfrage nach „sicheren“ Staatsanleihen weltweit führen und den Renditeanstieg begrenzen.

Noch immer geht man davon aus, dass die Fed die Leitzinsen in diesem Jahr noch einmal anhebt und 2018 drei weitere Zinsschritte anstehen. Offensichtlich hat die Notenbank entschieden, die aktuellen Datenverzerrungen infolge der großen Schäden durch die jüngsten Hurrikans außer Acht zu lassen. Man verwies auf die Bedeutung von Einmaleffekten auf die zuletzt niedrigen Inflationszahlen. Unserer Ansicht nach kann man aber nur schwer prognostizieren, was die Fed mittelfristig tun wird – denn personelle Änderungen im Offenmarktausschuss könnten durchaus Auswirkungen auf die zukünftige Geldpolitik haben. Auch neue US-Steuergesetze, über die ab dieser Woche diskutiert werden soll, könnten die Geldpolitik erkennbar beeinflussen.

In ihrer lang erwarteten Rede erklärte Premierministerin Theresa May, dass sie einen sanfteren Brexit befürworte, mit Zugang zum EU-Binnenmarkt bis 2021. Konkrete Maßnahmen stellte sie aber nicht vor – und sie machte auch keine genauen Angaben zu den Kosten einer Einigung über die britischen Finanzverpflichtungen an die EU. Der EU-Verhandlungsführer begrüßte den „konstruktiveren“ Ton der Premierministerin, doch für die Marktteilnehmer enthielt die Rede wenig Neues. Wir werden die Verhandlungen mit der EU weiter genau beobachten, die diese Woche fortgesetzt werden.

Bei den Bundestagswahlen erreichte Angela Merkel eine neue Mehrheit, doch Platz 3 für die rechtsextreme AfD und der beabsichtigte Austritt der SPD aus der großen Koalition, um die Opposition anzuführen, verdienen Beachtung. Die CDU/CSU steht jetzt vor einer Koalition mit den umweltbewussten Grünen und der liberalen, wirtschaftsfreundlichen und EU-freundlichen FDP.

BANK OF ENGLAND: MASSVOLLE VERSCHÄRFUNG DER RHETORIK

In einer Rede vor dem IWF bestätigte der britische Notenbankgouverneur Mark Carney die Absicht, die Geldpolitik zu straffen, wenn sich die britische Wirtschaft wie prognostiziert entwickele. Er erklärte, dass „eine unveränderte Geldpolitik ceteris paribus de facto expansiver“ würde. Wir glauben daher, dass die Notenbank die Leitzinsen auf der nächsten Sitzung straffen wird. Viel spricht dafür, dass sie die zurzeit höhere Inflation (die wir für vorübergehend halten) und das höhere Wachstum dazu nutzt.

Carney mäßigte aber seine Worte, indem er sagte, dass die Leitzinsen wohl nur begrenzt und allmählich steigen würden, „am Ende auf ein Niveau deutlich unter dem von vor der Krise.“ Er erwähnte, dass der Brexit für den britischen Wirtschaftsausblick „drei beachtliche Risiken“ bereithalte. Für die längerfristigen Aussichten blieb er aber optimistisch und beschrieb den Brexit als ein Beispiel für einen „Schritt zurück, um Anlauf zu nehmen“ („reculer pour mieux sauter“).

Die erfreulichen Konjunkturdaten scheinen die Falken bei der Bank of England beruhigt zu haben. Insbesondere überraschten die Einzelhandelsumsätze positiv. Dennoch müssen wir vor dem Zinsentscheid am 2. November weiter genau auf die Daten achten. Eine negative Überraschung könnte die Position der Notenbank verändern.

ASSET-ALLOKATION: AUF RENDITEKONVERGENZ ZWISCHEN AUSTRALIEN UND USA VORBEREITET

Unserer neue Long-Position in zehnjährigen australischen Staatsanleihen gegenüber US-Staatsanleihen kam zugute, dass nach den Worten von Notenbankgouverneur Lowe „ein weltweiter Zinsanstieg nicht automatisch Folgen für uns hier in Australien“ habe. Gut für australische Anleihen ist auch der Rückgang der Eisenerzpreise, denn australische Anleihen waren durch die steigenden Rohstoffpreise und die bessere Konjunktur unter Druck geraten. Die derzeit niedrigen US-Staatsanleiherenditen profitierten von der sanften Haltung der Fed, dürften aber jetzt aufgrund besserer Konjunkturdaten steigen. Die recht hohen australischen Anleiherenditen dürften aber zurückgehen, wenn die Konjunkturdaten negativ überraschen. Mit unserer Positionierung bereiten wir uns daher auf eine Renditekonvergenz vor.

 

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