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Nach dem Scheitern der Gesundheitsreform geht dem Relation Trade die Luft aus

Veronique COCOLE
 

Strategie: Zweifel an den ambitionierten US-Konjunkturprogrammen

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag Fachausdrücke enthält. Er eignet sich daher nicht für Leser ohne professionelle Investmenterfahrung.

ZUSAMMENFASSUNG

  • Einkaufsmanagerindizes fallen in den USA, steigen aber im Euroraum
  • Die Realwirtschaft liefert uneinheitliche Signale
  • Die US-Politik bestimmt die Märkte
  • Asset-Allokation: defensive Positionierung bestätigt

In der letzten Woche beherrschte die amerikanische Innenpolitik die Märkte. Trumps geschei-terter Versuch, Obamacare zu ersetzen, ließ die Investoren daran zweifeln, ob die Regierung ihre ehrgeizigen Steuersenkungspläne, Steuerreformen und Infrastrukturziele wirklich erreichen kann. Groß waren die Hoffnungen auf höhere Staatsausgaben, doch jetzt verloren Aktien an Boden. Die Anleiherenditen gaben ebenfalls nach, als Trumps Gesundheitspolitik scheiterte.

UNEINHEITLICHE EINKAUFSMANAGERINDIZES

Der amerikanische Industrie-PMI fiel auf den niedrigsten Stand seit fünf Monaten und der Dienstleistungs-PMI fiel sogar auf ein Sechsmonatstief. Der Gesamtindex gab infolgedessen ebenfalls nach. Gut ist hingegen, dass die amerikanischen Einkaufsmanagerindizes noch im-mer deutlich über 50 notieren, was für Wachstum spricht. Beunruhigender ist allerdings, dass die Klimaindizes seit den US-Wahlen zumeist gestiegen sind, die realwirtschaftlichen Indikato-ren aber nicht Schritt hielten. Vielleicht liegen die optimistischen Frühindikatoren richtig, doch sehen wir keine wirklichen Argumente für eine deutliche Beschleunigung des amerikanischen Wachstums. Die Wirtschaft wächst schon sehr lange, staatliche Ausgabenprogramme sind zweifelhaft und die Fed erhöht die Zinsen. Vielleicht fallen die Frühindikatoren demnächst auf realistischere Niveaus.

Anders als erwartet gingen die Einkaufsmanagerindizes im Euroraum nicht etwa leicht zurück, sondern stiegen auf die höchsten Werte seit 2011, als die Erholung von der Finanzkrise gerade begonnen hatte. In Frankreich und Deutschland machten sowohl der Industrie- als auch der Dienstleistungsindex Fortschritte. Wie in den USA könnten die PMIs auch im Euroraum ein zu rosiges Bild zeichnen, aber hier hat das Wachstum immerhin noch Luft nach oben: Das BIP hat gerade erst seinen Höchststand von 2008 überschritten, was für eine positive Output-Lücke spricht. Die Unternehmensinvestitionen sind gemessen am BIP niedrig, die Arbeitslosigkeit ist noch immer hoch. Für den Euroraum erwarten wir mehr Wachstum als für die USA. Diese positive Sicht wurde durch den deutschen Ifo-Index bestätigt, der im März auf den höchsten Wert seit Juli 2011 stieg.

Aus Japan liegt bislang nur der Industrie-PMI vor. Trotz Rückgangs ist er aber noch immer höher als in den meisten der letzten zwölf Monate. Die japanische Wirtschaft hat zuletzt von der starken Exportnachfrage profitiert, während die Binnenkonjunktur eher schwächelt.

KONJUNKTURDATEN EBENFALLS UNEINHEITLICH

Der US-Wohnimmobilienmarkt war zuletzt etwas stärker. Die Stimmung der Bauherren verbes-serte sich deutlich; die Preise neuer und gebrauchter Häuser stiegen erkennbar. Die gute Be-schäftigungssituation dürfte den Markt ebenso stärken wie ein gewisser Nachfragestau, und kurzfristig könnten sowohl das Wetter als auch die Aussicht auf höhere Hypothekenrenditen für Auftrieb sorgen. Weniger erfreulich waren die Investitionsdaten: Die Bestellungen langlebiger Güter haben sich in den letzten vier Jahren faktisch seitwärts bewegt; die Bestellungen von Investitionsgütern (ohne Verteidigung und Flugzeuge) kommen seit zwei Monaten nicht voran. Wenn Zweifel an den Steuerreformen und Ausgabenprogrammen aufkommen, könnte dies die Investitionen erneut zurückwerfen.

Nach einer kleinen Delle hat sich das Verbrauchervertrauen im Euroraum erholt. Der allmähli-che Rückgang der Arbeitslosigkeit und das stabile Wachstum dürften die Konsumnachfrage stützen. Risiken könnten eine höhere Inflation und niedrigere Realeinkommen sein, doch glau-ben wir, dass die Euroraum-Wirtschaft dank der erfreulicheren Entwicklung der Unternehmens-investitionen auf Wachstumskurs bleibt. Doch selbst im Euroraum sind nicht alle Frühindikato-ren gut: Den zweiten Monat in Folge ging das Wachstum der Geldmenge M3 zurück. Die Kre-ditvergabe der Banken wächst kaum, die Verbraucherkreditvergabe wächst schwächer und die Kredite an Unternehmen außerhalb des Finanzsektors legen ebenfalls kaum zu.

Wie bereits erwähnt, entwickeln sich in Japan Außenwirtschaft und Binnenwirtschaft sehr ver-schieden. Die Exporte wachsen deutlich stärker als die Importe, sodass der Nettoexport das BIP im ersten Quartal erneut voranbringen dürfte. Aber der Konsum bleibt schwach; das Nomi-naleinkommen wächst kaum und die Inflation schadet der Kaufkraft der Verbraucher. Außer-dem dürfte der starke Yen, der vom Ausverkauf risikobehafteter Wertpapiere profitiert, dem Export schaden.

US-POLITIK BEHERRSCHT DIE MÄRKTE

Insgesamt scheint uns das wirtschaftliche Umfeld für Aktien zurzeit grundsätzlich neutral. Ein beherrschendes Thema war aber Trumps Scheitern beim Versuch, im Repräsentantenhaus eine Mehrheit für die Abschaffung von Obamacare zu bekommen. Die Märkte hatten zwar mit einem Scheitern seiner Initiative gerechnet, litten aber dennoch unter der Kombination aus politischer Unsicherheit, fallenden Ölpreisen und fallenden Anleiherenditen. Dies galt vor allem für zyklische Sektoren wie Energie, Grundstoffe und Industrie, aber aufgrund des Renditerück-gangs gaben auch Bankwerte nach. Der VIX-Volatilitätsindex stieg kräftig, und die Nachfrage am Optionsmarkt konzentrierte sich vor allem auf Titel, mit denen sich Verluste absichern las-sen. Nachdem die politische Unsicherheit in den Kursen berücksichtigt war, beruhigten sich die amerikanischen Märkte wieder. In Asien und Europa hielt der Verkaufsdruck allerdings an.

Aus unserer Sicht gibt es mehrere Anzeichen dafür, dass die Aktienrallye allmählich zu Ende geht. Die Konjunkturindikatoren dürften kaum weiter steigen, und es kam zu Umschichtungen von zyklischen in defensivere Sektoren. Small Caps sind hinter Large Caps zurückgeblieben, insbesondere in den USA. Die Renditen steigen nicht mehr und der US-Dollar gab nach. Der Ölpreisrückgang mag mit den Besonderheiten dieses Rohstoffes zu tun haben, doch zuletzt gaben auch die Preise von Kupfer und Eisenerz etwas nach.

ASSET-ALLOKATION UNVERÄNDERT

In den letzten Wochen sind wir allmählich zu einer weniger konservativen Asset-Allokation übergegangen. Wir reagierten damit auf die guten konjunkturellen Frühindikatoren. Dennoch blieben wir in Industrieländeraktien ebenso untergewichtet wie in amerikanischen High-Yield-Anleihen und Emerging-Market-Fremdwährungsanleihen, sodass wir insgesamt noch immer defensiv positioniert sind. Wir glauben, dass die hohen Marktpreise die schwächeren Funda-mentaldaten bislang nur unzureichend widerspiegeln. Am Aktienmarkt bleiben die hohen Be-wertungen unsere Hauptsorge. Bei amerikanischen High-Yield-Anleihen machen uns schwache Unternehmensfinanzen skeptisch und bei Emerging-Market-Anleihen halten wir den starken US-Dollar, die Zinsentwicklung und möglichen Protektionismus für Risiken.

Redaktionsschluss: 27. März 2017

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