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Mehr Risikobereitschaft trotz ähnlicherer Notenbankrhetorik

Blick auf die Welt, Market commentary, Wöchentliches Strategie-Update

Colin HARTE
 

Short-Position in britischen Aktien ggü. Euroraum-Aktien beendet

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag Fachausdrücke enthält. Er eignet sich daher nicht für Leser ohne professionelle Investmenterfahrung.

ZUSAMMENFASSUNG

  • Notenbanken: Zinserhöhungen in Sicht?
  • Politische Risiken: Wachsam bleiben
  • Asset-Allokation: US-Dollar mittel- bis langfristig wohl stärker

Trotz neuer Spannungen um Nordkorea wurden die Investoren letzte Woche wieder risikobereiter. Man war erleichtert, dass Hurrikan Irma nicht so große Schäden angerichtet hatte wie befürchtet, und so stieg der S&P 500 Index auf neue Rekorde. Auch weltweit legten Aktien zu. Anleihen wurden hingegen verkauft, und andere sichere Häfen – anleiheähnliche Aktien wie Versorgerwerte und Immobilien – waren ebenfalls schwach. Der US-Dollar schien sich von seiner längeren Schwächephase zu erholen. Auch das Pfund war wieder stärker: Als die Bank of England eine straffere Geldpolitik signalisierte, holte es die Verluste des letzten Monats wieder auf – einhergehend mit deutlich steigenden britischen Anleiherenditen und Verlusten beim FTSE-100-Aktienindex. Neuer Optimismus, aber auch die Wiedereröffnung zahlreicher amerikanischer Raffinerien nach dem Hurrikan, ließ den Rohölpreis steigen. Sicher half aber auch die Hoffnung, dass die OPEC über eine Verlängerung der Förderkürzungen spricht.

NOTENBANKEN: ZINSERHÖHUNGEN IN SICHT?

Die Bank of England überraschte die Marktteilnehmer mit scharfer Rhetorik, nachdem die Ver-braucherpreisinflation auf den höchsten Wert seit September 2011 gestiegen war und die An-leiherenditen daraufhin zugelegt hatten. Die klaren Worte trafen die Anleiheinvestoren unvorbereitet, sodass die Renditen noch weiter stiegen. Die meisten Mitglieder des Geldpolitischen Ausschusses hielten „eine gewisse Verringerung der expansiven Geldpolitik in den nächsten Monaten“ für angemessen, damit die Inflation nachhaltig zu ihrem Zielwert zurückkehrt. Die Entschlossenheit zeigte sich auch in den Äußerungen des (externen) Mitglieds Gertjan Vlieghe, der meist für eine lockere Geldpolitik eintritt. Nach seinem Worte würde die Datenentwicklung immer mehr nahelegen, dass bald der Zeitpunkt für eine mögliche Zinserhöhung gekommen sei.

Diese klaren Worte führten zu einem Ausverkauf britischer Anleihen, sodass die Zehnjahres-rendite genauso stark stieg wie nach der überraschenden Ankündigung vorgezogener Unter-hauswahlen im Juni. Wir sind noch nicht davon überzeugt, dass Leitzinserhöhungen in den nächsten Monaten sinnvoll sind. Vielmehr glauben wir, dass die derzeitige Inflation vor allem mit dem schwachen Pfund zu tun hat. Damit wäre sie aber nur vorübergehend hoch, ganz an-ders als eine binnenwirtschaftlich bedingte Teuerung.

Kommen wir zu den USA, wo sich am Mittwoch der Offenmarktausschuss der Fed trifft: Eine Ankündigung zur Normalisierung der Bilanzsumme dürfte keinen wirklich überraschen, könnte aber dennoch die Anleihemärkte destabilisieren. Wir erinnern uns noch zu gut an den Ausver-kauf nach der Rede von EZB-Präsident von Mario Draghi im Juni, auch wenn ein Großteil der erwarteten Bilanzsummenverringerung bereits in den Kursen enthalten schien. Die Inflation war überraschend hoch, nach fünf enttäuschenden Werten in Folge. Die Fed dürfte dennoch vorsichtig bleiben, denn die Kernrate ist vor allem aufgrund steigender Wohnkosten gestiegen. Üblicherweise betrachten die Geldpolitiker aber die PCE-Inflation, in der die Wohnkosten eine deutlich kleinere Rolle spielen. Wir glauben nicht, dass der Offenmarktausschuss die Märkte überrascht. Auch die Rhetorik dürfte eher zurückhaltend bleiben.

POLITISCHE RISIKEN: WACHSAM BLEIBEN

Die Bundestagswahlen am Sonntag dürften kaum zu höheren politischen Risiken führen. Sor-gen macht aber vieles andere, sodass – weltweit – politische Risiken die Marktstimmung auch in Zukunft wesentlich beeinflussen dürften. Die UN verständigte sich auf zusätzliche Sanktio-nen gegen Nordkorea, auch wenn China und Russland dafür gesorgt haben, dass sie sich in engen Grenzen halten. Doch auf die Handelssanktionen folgten neue Provokationen. Auf das Säbelrasseln im Sommer reagierten die Markteilnehmer recht verhalten. Dennoch sollte man die politische Krise genau verfolgen, da eine weitere Eskalation Auswirkungen auf die Bezie-hungen zwischen den USA und China haben könnte.

In den USA scheinen die Steuerreformpläne endlich Fahrt aufzunehmen. Das Thema Schul-denobergrenze wurde bis zum Jahresende vertagt, sodass sich die Trump-Administration jetzt auf die Senkung des Unternehmenssteuersatzes auf 15% konzentrieren kann. Wie hoch der Steuersatz am Ende sein wird bleibt unklar, da die Republikaner ein höheres Haushaltsdefizit fürchten. Die ersten Vorschläge dürften gegen Monatsende vorgelegt werden. Bei einer expan-siven Fiskalpolitik könnte der „Trump Trade“ wiederentdeckt werden, von dem vor allem Small Caps und Bankaktien profitieren dürften.

ASSET-ALLOKATION: US-DOLLAR MITTEL- BIS LANGFRISTIG WOHL STÄRKER

Wir haben unsere Short-Position in britischen Aktien gegenüber Euroraum-Aktien beendet. Die Position litt unter den besseren britischen Konjunkturdaten infolge des schwachen Pfunds, während der Euroraum mit einem stärkeren Euro zurechtkommen musste. Kurzfristig dürfte sich daran nichts ändern. Außerdem sind unsere neuen Prognosen für die britischen Unter-nehmensgewinne weniger pessimistisch. Wir waren deshalb von dieser Positionierung nicht mehr wirklich überzeugt und beendeten sie mit einem Verlust.

Im Währungsbereich hat sich unsere Long-Position im US-Dollar in den letzten Monaten gut entwickelt; der US-Dollar-Index ist kräftig gestiegen. Mittel- bis langfristig dürfte der US-Dollar ebenfalls aufwerten, insbesondere wenn die Trump-Administration mit Reformen beginnt und die Fed ihre Geldpolitik wie angekündigt normalisiert.

 

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