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Märkte reagieren kaum auf Macrons Sieg – jetzt zählt der EZB-Ausblick

Einblick in das Marktgeschehen, Länder und Regionen

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Ein klassischer Fall von „Buy the rumour, sell the fact“ – kaufe bei Gerüchten, verkaufe bei Fakten

Das Ergebnis der französischen Präsidentschaftswahl entsprach den Umfragen: Emmanuel Macron hat die Stichwahl gegen Marine Le Pen mit 66% zu 34% überzeugend gewonnen. Und doch hat Le Pen vom rechtsextremen Front National in der zweiten Runde so viele Stimmen erhalten hat wie noch kein FN-Kandidat zuvor, wenn auch weniger als von den Demoskopen prognostiziert. Etwa ein Viertel der Franzosen ist gar nicht erst zur Wahl gegangen, und ein weiteres Zehntel hat leere oder ungültige Stimmzettel abgegeben. Offensichtlich sagte diesen Wählern keiner der beiden Kandidaten zu.

Obwohl Macron als der wirtschaftsfreundlichste Kandidat galt, reagierten die Finanzmärkte zurückhaltend. Nach der Abstimmung am Sonntag eröffneten Aktien aus dem Euroraum und Frankreich etwas höher, drehten aber schnell ins Minus. Noch sind die Verluste französischer Aktien nicht hoch, aber sie liegen hinter dem wichtigsten Euroraum-Index zurück. Die deutschen Bundesanleiherenditen sind leicht gefallen, während die Spreads französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Papieren weitgehend unverändert blieben und sich die Peripherieländerspreads etwas ausweiteten. All dies mag manche enttäuschen, doch den kleineren Aktienverkäufen stehen hohe Gewinne seit Jahresbeginn gegenüber – insbesondere seit Mitte April. Französische Aktien haben dabei sogar etwas vor anderen europäischen Titeln gelegen. Es scheint also, als sei man sich an den Aktienmärkten Macrons Siegs sicher gewesen, zumal er in allen Meinungsumfragen geführt hatte. Die französischen Anleiherenditen und Spreads waren in den letzten Wochen daher auch zurückgegangen. Für uns ist das ein klassischer Fall von „Buy the rumour, sell the fact“ – kaufe bei Gerüchten, verkaufe bei Fakten.

Das Interesse der Investoren wird sich jetzt wohl auf die Wahl der 577 Sitze der Nationalversammlung Mitte Juni richten, in der zurzeit die Sozialisten die Mehrheit stellen. Macron – ein Neuling im politischen Geschäft – steht hier vor einer neuen Herausforderung, da sich die politische Landschaft in Frankreich weiter zersplittert hat. An den Märkten wird man die Meinungsumfragen genau verfolgen. Man möchte wissen, ob Macrons erst im letzten Frühjahr gegründete, zentristische En-Marche-Bewegung der Mehrheit nahekommen kann. Gemäß den Umfragen nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen könnte En Marche in der Nationalversammlung zur stärksten Fraktion avancieren. Anderenfalls müsste Macron mit anderen etablierteren Parteien zusammenarbeiten, um seine innenpolitischen Ziele durchzusetzen. Dazu zählen ein effizienterer Staatsapparat, niedrigere Staatsausgaben, Steuersenkungen und eine Arbeitsmarktreform.

Der Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen hat aber noch weitere Konsequenzen. Jetzt, da die politischen Risiken deutlich nachgelassen haben, der Euroraum stabil wächst und die Arbeitslosigkeit kontinuierlich fällt, dürfte sich das Anlegerinteresse auf die EZB richten. Wird sie Andeutungen zur zukünftigen Geldpolitik machen? Wir glauben, dass die Europäische Zentralbank in Zukunft nicht mehr über die Notwendigkeit niedrigerer Zinsen spricht. Im September schließlich dürfte sie eine Verringerung ihrer wachstums- und inflationsfördernden Anleihekäufe bekanntgeben und damit das „Tapering“ einläuten. Durch den französischen Wahlausgang ist dies wahrscheinlicher geworden. Das dürfte auch einen Teil der Marktreaktion erklären, insbesondere an den Anleihemärkten. Tapering bedeutet eine geringere Unterstützung der Märkte durch Käufe, sodass die Spreads von Peripherieländeranleihen steigen könnten. Aber natürlich wird auch die italienische Politik Auswirkungen auf die Rentenmärkte haben. Auch darauf werden die Investoren achten müssen – und dann natürlich auf die Bundestagswahlen im Herbst.

Joost van Leenders, Portfoliomanager

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