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Kontinuität statt Turbulenzen – Aktien legten im Oktober zu

November 2, 2017 - Colin Harte, Head of Research, Active Asset Allocation, Multi Asset Solutions

Gewinnmitnahmen nach der Konvergenz von australischen und amerikanischen Renditen

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag Fachausdrücke enthält. Er eignet sich daher nicht für Leser ohne professionelle Investmenterfahrung.

ZUSAMMENFASSUNG

  • Spanien übernimmt nach der katalanischen Unabhängigkeitserklärung die Kontrolle
  • EZB verlängert Quantitative Easing
  • Der neue Fed-Vorsitzende kann sich über bessere Fundamentaldaten freuen
  • Asset-Allokation: Long-Position in australischen gegenüber amerikanischen Anleihen halbiert

Während sich die Bank of England wohl auf eine Zinserhöhung vorbereitet, hat EZB-Präsident Draghi erklärt, dass er seine Anleihekäufe bis 2018 verlängern will – um Inflation und Wachstum zu stärken. Trotz der Halbierung der monatlichen Anleihekäufe werteten die Marktteilnehmer dies als einen Hinweis auf eine weiter lockere Geldpolitik. Für europäische Aktien war dies gut, während der Euro abwertete. Deutsche Bundesanleihen legten ebenfalls zu.

Die Ruhe an den US-Märkten wurde durch Spekulationen über den nächsten Vorsitzenden der Fed, die Fortschritte bei der Einigung auf eine Steuerreform mit dem Kongress und zahlreiche Quartalsberichte von Unternehmen gestört. Insgesamt führte dies zu höheren Staatsanleiherenditen, nicht zuletzt wegen der besseren Konjunkturindikatoren und des höheren BIP-Wachstums im 3. Quartal.

Die beste Wertentwicklung verzeichneten aber japanische Aktien. Hier feierte man noch immer den Wahlsieg von Premierminister Abe, denn die Geldpolitik dürfte jetzt expansiv bleiben. Der US-Dollar-Index stieg weiter und hat seit seinem Septembertief fast 4% zugelegt. Auch das Pfund wertete aufgrund des stärkeren Wirtschaftswachs-tums auf.

An den Grundstoffmärkten lagen Energierohstoffe vorn, auch wenn die amerikanischen Öllagerbestände erstmals seit vier Rückgängen in Folge stiegen. Dem Ölpreis kam zugute, dass sich Saudi-Arabien für eine Verlängerung der OPEC-Förderkürzungen über den März hinaus einsetzt.

An den Emerging Markets geriet der südafrikanische Rand unter Druck. Südafrikanische Staatsanleihen verloren ebenfalls, als Finanzminister Malusi Gigaba seine BIP-Prognose für dieses Jahr fast halbierte – von 1,3% auf nur noch 0,7% Wachstum. Außerdem prognostizierte er für die nächsten drei Jahre höhere Defizite. Da südafrikani-sche Anleihen fast 10% des JPMorgan GBI Index ausmachen, fiel der Benchmarkindex für Emerging-Market-Anleihen.

SPANIEN ÜBERNIMMT NACH DER KATALANISCHEN UNABHÄNGIGKEITS-ERKLÄRUNG DIE KONTROLLE

Der Konflikt zwischen Spanien und Katalonien erreichte eine neue Dimension, als das katalanische Parlament die Unabhängigkeit erklärte. Daraufhin bat der spanische Premierminister den Senat, der Absetzung von Regional-präsident Puigdemont zuzustimmen und Katalonien unter die Kontrolle der Zentralregierung zu stellen. Premier-minister Rajoy hat die Unterstützung der EU-Staats- und Regierungschefs, die Separatismus in der Regel ableh-nen und kaum gewillt sein dürften, ein unabhängiges Katalonien anzuerkennen oder es gar in die EU aufzuneh-men.

Um einen politischen Fehler und eine weitere Eskalation der Situation zu vermeiden, rief Rajoy vorgezogene Re-gionalwahlen für den 21. Dezember aus. Diese Abstimmung wird sehr wichtig sein, da ihr Ergebnis (im Gegensatz zum umstrittenen Referendum am 1. Oktober) von Spanien anerkannt werden wird – auch wenn die Unabhängig-keitsbefürworter siegen. Wie wir in unserem letzten Wochenbericht geschrieben haben, bleiben wir für Spanien optimistisch. Unserem Makroteam ist aber bewusst, dass eine ungeordnete Abspaltung von Spanien für Kataloni-en eine Katastrophe sein wird. Viele Unternehmen haben schon jetzt ihre Zentralen in andere spanische Regionen verlagert.

EZB VERLÄNGERT QUANTITATIVE EASING

Die EZB verlängerte ihr Anleihekaufprogramm bis September 2018. Sie wird allerdings die monatlichen Anleihe-käufe ab Januar auf 30 Milliarden Euro halbieren (vgl. Abbildung unten), wie sie bereits im Vorfeld wiederholt sig-nalisiert hatte. Viele Marktteilnehmer hatten sogar eine größere Verringerung auf 20 bis 25 Milliarden Euro erwar-tet, insbesondere nachdem EZB-Chef-Volkswirt Peter Praet auf die Konjunkturerholung hingewiesen hatte und meinte, sie könne mit einer weiteren Verlängerung des Programms einhergehen. Faktisch deutete er damit die Möglichkeit einer stärkeren Kürzung der monatlichen Käufe an.

Präsident Draghi verwies auf das „auf breiter Basis stabile Wachstum“. Er sagte aber auch, dass „der inländische Preisdruck noch immer schwach“ sei. Draghi wiederholte, dass die Zinsen auch nach Abschluss des Kaufpro-gramms noch lange niedrig blieben und fügte hinzu, dass das Quantitative Easing im kommenden September nicht abrupt beendet werden würde. Unter Umständen könne es sogar noch einmal verlängert werden.

DER NEUE FED-VORSITZENDE KANN SICH ÜBER BESSERE FUNDAMEN-TALDATEN FREUEN

Bald dürfte US-Präsident Trump den nächsten Vorsitzenden der Fed bekanntgeben. Die Presse berichtet, dass Amtsinhaberin Janet Yellen durch Jerome Powell ersetzt werden könnte, der schon jetzt dem Board der Noten-bank angehört. Trump hat in einem Interview gesagt, dass die „Ernennung kein großer Schock“ sein werde. Nach diesen Nachrichten stiegen die Staatsanleiherenditen.

Noch wichtiger ist aber, dass Berichte über Fortschritte bei der Steuerreform risikoreichere Wertpapiere gestützt haben. Das Repräsentantenhaus hat den Haushalt für 2018 nach der Zustimmung des Senats verabschiedet – ein wichtiger Schritt zu einer neuen Steuergesetzgebung. Das Repräsentantenhaus dürfte seine Version des Steuergesetzes am Mittwoch (1. November) vorlegen; der Senat wird voraussichtlich nächste Woche folgen. Aus Sicht unseres Makroteams werden die Steuersenkungen Ende des 1.  Quartals 2018 mit einer Wahrscheinlichkeit von 2/3 verabschiedet.

Die US-Wirtschaft legt weiter zu. Die aktuelle Berichtssaison brachte bislang durchweg erfreuliche Unterneh-mensergebnisse. 80% der Unternehmen, die bislang ihre Zahlen vorgelegt haben, übertrafen die Analystenprog-nosen für die Gewinne je Aktie; etwa 70% übertrafen die Umsatzprognosen. So viele positive Überraschungen hatte es seit dem 2. Quartal 2011 nicht mehr gegeben. Insbesondere IT-Aktien legten aufgrund des sehr guten Umsatzwachstums zu. Alles in allem wuchs das US-BIP im 3. Quartal ordentlich, um 3% im Vorjahresvergleich, begünstigt durch einen deutlichen Anstieg der Lagerinvestitionen. Auch die „weichen“ Daten waren gut: Die Flash-Schätzung für den Einkaufsmanagerindex im Oktober fiel überraschend hoch aus. Der Composite PMI würde demnach auf den höchsten Wert seit November 2015 steigen.

GEWINNMITNAHMEN BEI AUSTRALISCHEN ANLEIHEN GEGENÜBER US-STAATSANLEIHEN

Wir haben bei unserer Long-Position in australischen Staatsanleihen gegenüber US-Staatsanleihen Gewinne rea-lisiert. Als wir diese Position eingegangen sind, erwarteten wir einen Rückgang der australischen Renditen, da die meisten guten Konjunkturnachrichten in den Kursen bereits enthalten waren. Wir hatten mit einer eher niedrigen Inflation und einer expansiven US-Geldpolitik gerechnet, sodass eine erfreuliche Überraschung bei den US-Renditen möglich schien. Da die australischen und die amerikanischen Renditen dann konvergierten, kam unser Ziel in Sicht und wir halbierten die Position mit Gewinn.

Wir bleiben bei einer unterdurchschnittlichen Duration, insbesondere in Europa. Wir glauben, dass die EZB als eine der ersten großen Notenbanken die Finanzmärkte sorgfältiger steuern wird.

Redaktionsschluss: 30. Oktober 2017

wsu

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