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Kontinuität statt Turbulenzen – Aktien legten im Oktober zu

November 30, 2017 - Guillermo Felices, Head of Research and Strategy, Multi Asset Team, MAQS

Gewinnmitnahmen nach der Konvergenz von australischen und amerikanischen Renditen

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag Fachausdrücke enthält. Er eignet sich daher nicht für Leser ohne professionelle Investmenterfahrung.

ZUSAMMENFASSUNG

  • BRITISCHE PROGNOSEN SIGNALISIEREN WINTERBEGINN
  • FLACHERE ZINSSTRUKTURKURVE: ANZEICHEN FÜR FALLENDE INFLATIONSERWARTUNGEN
  • EZB-POLITIK: EIN WEITERER NORMALISIERUNGSSCHRITT?

Die Aktienmärkte hatten eine gute Woche. Trotz der anhaltenden Stärke des amerikanischen IT-Sektors ließen Europa und die Emerging Markets die USA hinter sich.

Die jüngsten Konjunkturdaten bestätigten das Goldilocks-Szenario. Wegen der Kombination aus recht hohem Wirtschaftswachstum und geringem Inflationsdruck dürften die Notenbanken davon absehen, ihre Geldpolitik schneller zu normalisieren.

Vor allem die Euroraum-Märkte profitierten von der hohen Konjunkturdynamik und besonders von den guten Wirtschaftsnachrichten und Stimmungsindikatoren. In Europa, und hier vor allem in Frankreich und Deutschland, waren die Einkaufsmanagerindizes überraschend stark. Man muss aber bedenken, dass es sich dabei um Umfragedaten handelt. Noch bleibt abzuwarten, ob die Realwirtschaft entsprechend zulegt.

BRITISCHE PROGNOSEN SIGNALISIEREN WINTERBEGINN

Die Anleiherenditen veränderten sich im Wochenverlauf kaum, auch wenn die britischen Renditen nach der Haushaltsvorlage mit ihren pessimistischen Konjunkturprognosen unter Druck gerieten. Das Office for Budget Responsibility senkte seine Prognose für das nominale BIP-Wachstum auf weniger als 1,5% p.a. in den nächsten drei Jahren. Wenn es so kommt, wird sich nichts an den schon lange schwachen Lohn- und Einkommenszuwächsen ändern, die die Wirtschaft schon seit Jahren belasten. Großbritannien wird sich dann zwischen weiteren Kürzungen öffentlicher Leistungen und höheren Steuern entscheiden müssen. Das bestätigt uns in der Einschätzung, dass die Zinserhöhung in diesem Monat ein Fehler war. Vielleicht muss sie 2018 zurückgenommen werden.

FLACHERE ZINSSTRUKTURKURVE: ANZEICHEN FÜR FALLENDE INFLATIONSERWARTUNGEN

An den Märkten erwartet man zurzeit keine drastische Veränderung der Geldpolitik. Stattdessen scheinen die Investoren weiter davon auszugehen, dass die Geldpolitik nur behutsam verändert wird. Dennoch könnte sich die Fed zu einer strafferen Haltung entschließen, wenn eine Einigung über Konjunkturmaßnahmen (wie Steuersenkungen) und ihre Umsetzung bevorstehen. Zurzeit bilden die Märkte die Zinserhöhungserwartungen der Offenmarktausschussmitglieder noch nicht ab. Die Entscheider gehen von drei weiteren Zinserhöhungen im nächsten Jahr aus (der ersten im März), am Markt richtet man sich auf nur einen weiteren Zinsschritt nach der allgemein erwarteten Zinsanhebung im nächsten Monat ein.

Der Druck auf die Langfristrenditen infolge fallender Inflationserwartungen hat zur flacheren Zins-strukturkurve beigetragen. Dies betrifft die USA mehr als den Euroraum, da erstens die Fed bereits mit Zinserhöhungen begonnen hat (und sich die EZB bislang auf eine sehr behutsame Rückführung des Quantitative Easing beschränkt) und zweitens für die USA mehr Zinserhöhungen erwartet wer-den, während Zinsschritte der EZB eher Zukunftsmusik zu sein scheinen.

Kommen wir zum kurzfristigen Ausblick für die Geldpolitik: Das letzte Protokoll zeigt, dass die anhal-tend niedrige US-Inflation noch immer vielen Offenmarktausschussmitgliedern Sorgen macht. Nach der Zinserhöhung im Dezember erwarten wir nur bei klaren Anzeichen für eine höhere Inflation weitere Maßnahmen, selbst wenn Knappheiten am Arbeitsmarkt drohen.

EZB-POLITIK: EIN WEITERER NORMALISIERUNGSSCHRITT?

Dem Protokoll der letzten Ratssitzung zufolge will die EZB erreichen, dass man am Markt weiter an eine Fortsetzung des Quantitative Easing glaubt. Außerdem hält der EZB-Rat an seinem 2%-Inflationsziel fest. Die Äußerungen von Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré gaben auch einen inte-ressanten Einblick in das derzeitige Denken des EZB-Rats: Cœuré deutete die vermutlich nächste Änderung der EZB-Strategie an: Spätestens September 2018 würde man die Wertpapierkäufe vom Inflationsausblick unabhängig machen. Das würde das Ende des Quantitative Easing signalisieren und einen weiteren Schritt zu einer Normalisierung der Geldpolitik bedeuten, also zu einer Geldpolitik, die vor allem auf Zinsänderungen setzt. Die stärkere Wachstumsdynamik im Euroraum könnte andere Ratsmitglieder davon überzeugen, dass die Normalisierung der Geldpolitik jetzt vorangetrieben werden kann.

Die Euroraum-Inflation könnte im November vorübergehend steigen, da sich die volatilen Faktoren, die die Inflation im Oktober bremsten, umkehren könnten. Dann könnte sich EZB-Präsident Draghi auf der Pressekonferenz nach der Dezembersitzung zu schärferen Tönen veranlasst sehen. Für den Inflationsausblick könnte die Sitzung von OPEC-Mitgliedern und anderen wichtigen Ölförderländern in dieser Woche relevant sind. Die Diskussion über die Förderbeschränkungen könnte Hinweise darauf geben, ob die Ölpreise weiter hoch bleiben. Allgemein wird mit einer Verlängerung der derzeitigen Förderkürzungen bis Ende 2018 gerechnet.

Redaktionsschluss: 27. November 2017

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