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Keine Probleme an den Märkten, Goldilocks hält an

Blick auf die Welt

Colin HARTE
 

IBEX-Übergewichtung gegenüber dem MIB aufgrund der Katalonien-Krise verringert

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag Fachausdrücke enthält. Er eignet sich daher nicht für Leser ohne professionelle Investmenterfahrung.

ZUSAMMENFASSUNG

  • US-Inflation erneut enttäuschend; Zinserhöhung unwahrscheinlicher?
  • Brexit-Verhandlungen verfahren
  • Neue Integrationshemmnisse in Europa nach der Österreich-Wahl?
  • Asset-Allokation: IBEX-Übergewichtung gegenüber MIB wegen kurzfristiger Unsicherheiten verringert

Das Goldilocks-Szenario hielt an. Aktien stiegen auf neue Rekordhochs, aber die US-Inflation enttäuschte erneut. Asiatische Aktien ließen Industrieländeraktien hinter sich, blieben aber ihrerseits hinter dem Emerging Markets insgesamt zurück. Der mexikanische Peso litt darunter, dass die Trump-Administration das Nafta-Freihandelsabkommen infrage stellte und sich für einen deutlich höheren Anteil amerikanischer Bauteile in Autos sowie einen Mindestanteil von Teilen aus US-Produktion aussprach. Der Rohölpreis stieg um etwa 4%, wegen der höheren Nachfrageprognosen der OPEC für 2018, aber auch aufgrund von Berichten, dass Saudi-Arabien weitere Förderkürzungen plant.

Politisch war die Woche recht unruhig: Die schwierigen Brexit-Verhandlungen kamen nicht voran, bei den Wahlen in Österreich siegte die ÖVP und die Niederlage der CDU bei den niedersächsischen Landtagswahlen könnte die Koalitionsverhandlungen erschweren. In Katalonien hält die Unsicherheit über die Unabhängigkeitsbestrebungen an. Einstweilen hat sich die spanische Börse aber von den Tiefstständen nach dem Referendum am 1. Oktober erholt.

US-Inflation erneut enttäuschend

Im September ist die US-Inflation gestiegen, vor allem dank höherer Energiepreise – denn die Hurrikans hatten der Raffinerieproduktion geschadet. Die Teuerung war aber niedriger als erwartet, und vor allem lag die Kernrate nur knapp über null. Kurz zuvor war das Protokoll der Offenmarktausschusssitzung vom September veröffentlicht worden. Es zeigte die Sorge der Fed, dass die niedrige Inflation langfriste Ursachen haben könne, etwa die Auswirkungen technischer Innovationen auf Wettbewerb und Preise.

Im Protokoll heißt es, dass bei der Normalisierung der Notenbankpolitik „Geduld geboten“ sei. Charles Evans, ein eher einer lockeren Geldpolitik zuneigendes Offenmarktausschussmitglied, sagte: „Vielleicht muss die Arbeitslosigkeit auf 3,5% fallen, bevor die Inflation wirklich steigt.“ Die Vorsitzende Janet Yellen betonte aber einmal mehr, dass die Inflation aus ihrer Sicht wohl bald steigen werde. Dennoch: Die Marktteilnehmer werten das Protokoll eher als Hinweis auf eine lockere Geldpolitik, sodass die implizite Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Dezember nach den enttäuschenden Inflationszahlen fiel (vgl. Abbildung).

Brexit-Verhandlungen in der Sackgasse

Die Brexit-Verhandlungen seien „festgefahren“, erklärte EU-Verhandlungsführer Michel Barnier auf einer Konferenz. Schließlich hatte es in puncto britische Abschlusszahlung keine Fortschritte gegeben. Aber sie gelten gemeinhin als Voraussetzung für Verhandlungen über ein neues Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien. Seine Warnung, dass „kein Ergebnis ein sehr schlechtes Ergebnis“ sein werde, erhöhte den Druck auf das Pfund. Das änderte sich aber, als das Handelsblatt Barnier mit den Worten zitierte, dass eine zweijährige Übergangsfrist noch immer möglich sei (vgl. Abbildung).

Unterdessen deutete die britische Regierung an, dass sie sich „auf alle Eventualitäten“ vorbereiten werde und man die Unannehmlichkeiten für Unternehmen und Reisende minimieren wolle. Der Brexit wird diese Woche auch auf der Tagesordnung des Europäischen Rates stehen. Vielleicht schafft er mehr Klarheit über die Haltung der EU für den Fall, dass man sich nicht einigt. Wir rechnen noch immer mit einem Verhandlungsergebnis oder zumindest einer längeren Übergangsfrist. Eine längere Pattsituation könnte zu Unsicherheiten zu Lasten des Pfundes führen. Die Bank of England würde dann wohl noch einmal über ihre Zinserhöhungspläne nachdenken.

Wahlen in Österreich

Die konservative ÖVP unter Sebastian Kurz hat die Nationalratswahlen am Sonntag gewonnen. Die Sozialdemokraten und die rechtspopulistische Freiheitliche Partei lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz 2. Eine neue große Koalition könnte schwierig werden. Ausgerufen wurden die Wahlen aufgrund zunehmender Animositäten zwischen den bisherigen Koalitionspartnern SPÖ und ÖVP, die eine Neuauflage der großen Koalition nach den Worten von Bundeskanzler Kern „sehr schwierig“ machen könnten. Damit besteht die Möglichkeit, dass die ÖVP mit der FPÖ koaliert.

Österreichs Rechtsruck ähnelt in gewisser Weise dem Aufstieg der AfD in Deutschland. Einwanderung und eine weitere europäische Integration werden von immer mehr Menschen abgelehnt. Die Pläne von Frankreichs Präsident Macron und Bundeskanzlerin Merkel für eine engere Integration, mit einem gemeinsamen Haushalt und einem EU-Finanzminister, könnten auf neue Widerstände stoßen.

Asset-Allokation: Übergewichtung im IBEX ggü. dem MIB verringert

Nach der jüngsten Erholung der spanischen Börse haben wir unsere Long-Position im IBEX gegenüber dem MIB halbiert. Letzte Woche erklärte der katalanische Regionalpräsident Puigdemont die Unabhängigkeit, legte sie aber zugleich auf Eis, da er erst einen Dialog mit Madrid führen wollte. Er steht zwischen den extremeren Separatisten und der mächtigen spanienfreundlichen Unternehmerlobby. Wenn Puigdemont sich nicht klar äußert, könnte Premierminister Rajoy Artikel 155 der spanischen Verfassung auslösen und die Kontrolle über die autonome Region übernehmen. Er könnte auch neue Regionalwahlen ausrufen, was eine neue Dynamik auslösen könnte.

Unterdessen bleibt die Unsicherheit. Viele Unternehmen verlegen daher ihre Zentralen aus Katalonien in andere Regionen. Die Halbierung unserer Position spiegelt diese kurzfristige Unsicherheit wider, die zu höherer Marktvolatilität führen kann. Wir behalten aber einen Teil der Positionen bei, denn wir sind optimistisch, dass spanische Aktien langfristig besser dastehen als italienische und für Mehrertrag sorgen können.

Redaktionsschluss: 16. Oktober 2017

WSU

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