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Hoffnung auf Konjunkturprogramme lässt für Aktien aus den USA und Japan die Sonne scheinen …

Blick auf die Welt

Colin HARTE
 

… aber über amerikanischen Small Caps sind Wolken aufgezogen

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag Fachausdrücke enthält. Er eignet sich daher nicht für Leser ohne professionelle Investmenterfahrung.

ZUSAMMENFASSUNG

  • Wahlen in Japan: Sieg der LDP-Koalition hält die Abenomics am Leben
  • KP-Kongress in China: Schwerpunkt Wachstum, Politikwechsel später
  • EZB: Wertpapierkäufe werden wohl stark verringert, aber verlängert
  • Asset-Allokation: Long-Positionen in amerikanischen Small Caps gegenüber Large Caps mit Gewinn beendet

Auch in der letzten Woche reagierten die Finanzmärkte mit Gewinnen auf in Aussicht gestellte expansive US-Fiskalpolitik – denn der Senat verabschiedete eine Haushaltsresolution, die den Weg zu einer Steuerreform freimacht. US-Aktien stiegen daraufhin wieder auf neue Rekord-hochs, und die US-Zehnjahresrendite legte um elf Basispunkte zu. Emerging-Market-Aktien gaben hingegen leicht nach, denn die Investoren fürchteten höhere Renditen in den Kernlän-dern, zumal die Kursrallye vielleicht schon zu lange dauert. Der andere Star der Woche waren japanische Aktien. Sie legten fast 2% zu, denn die Investoren rechneten mehr und mehr mit einem Wahlsieg von Premierminister Shinzō Abe.

Die wichtigste Wirtschaftszahl war das chinesische BIP-Wachstum im 3. Quartal. Mit 6,8% im Vorjahresvergleich war es ordentlich und entsprach weitgehend den Markterwartungen. Die guten Zahlen reichten aber nicht, um chinanahen Wertpapieren weiteren Auftrieb zu geben, etwa Emerging-Market-Aktien. Auch die Nachrichten vom 19. Parteikongress bewegten die Märkte kaum.

WAHLEN IN JAPAN: ABENOMICS GEHEN WEITER

Die Koalition von Shinzō Abe hat im Parlament eine klare Mehrheit gewonnen, was aber nicht zwangsläufig eine breite Unterstützung für seine Person bedeutet. Bei einer Umfrage am Wo-chenende erklärten 51% der Teilnehmer, dass sie Abe nicht als Premierminister behalten wol-len. Trotz dieser begrenzten Unterstützung gehen die Abenomics mit ihrem Fokus auf Wachs-tum und Inflation weiter. Mit dem Wahlsieg dürfte auch der Verlängerung der Amtszeit des No-tenbankgouverneurs Kuroda nichts mehr im Wege stehen, sodass die unkonventionelle Geld-politik anhalten dürfte. Vermutlich werden eine Mehrwertsteuererhöhung und weitere fiskalpoli-tische Maßnahmen bekanntgegeben. Alles in allem hat die politische Unsicherheit mit den Wahlen nachgelassen, sodass japanische Aktien und der Yen zulegten.

CHINA: SCHWERPUNKT WACHSTUM, POLITIKWECHSEL SPÄTER
Eine weitere wichtige Entwicklung in Asien war der 19. Kongress der chinesischen KP. Weil Präsident Xi Jinping in seiner Eröffnungsrede kein Wachstumsziel nannte, spekulierten einige Beobachter, dass Wirtschaftswachstum keine Priorität mehr habe. Xi sprach stattdessen über eine höhere Wachstumsqualität. Er bestätigte, dass sich das reales Pro-Kopf-BIP in China von 2010 bis 2020 verdoppeln solle.

Unser Makroteam hat uns daran erinnert, dass der Kongress Personalveränderungen in der Regierung ratifiziert, Änderungen der Politik hingegen nicht. Der politische Kalender in der Ab-bildung zeigt die Abfolge der Sitzungen, auf denen voraussichtlich politische Entscheidungen getroffen werden. Traditionell werden die Einzelheiten von Wirtschaftsreformen und politischen Änderungen auf dem dritten Plenum des alle fünf Jahre stattfindenden Kongresses mitgeteilt. Mögliche politische Veränderungen vor dem Plenum, etwa eine Währungsreform (wie eine Ausweitung des Korridors für den CNY-USD-Wechselkurs), der Ausbau des Renminbi-Offshore-Markts und ein besserer Zugang von Ausländern zum Onshore-Markt werden also die Folge von Entscheidungen sein, die vor dem derzeitigen Kongress getroffen wurden.

EZB-RATSSITZUNG: RECHNEN SIE MIT WENIGER WERTPAPIERKÄUFEN

Durch die Krise in Katalonien stand die EZB-Ratssitzung in dieser Woche nicht mehr so sehr im Blickpunkt. Der Zentralbankrat dürfte aber Veränderungen des Wertpapierkaufprogramms im nächsten Jahr bekanntgeben. Unser Makroteam erwartet, dass der EZB-Rat das Quantitative Easing um neun Monate verlängert, aber die monatlichen Wertpapierkäufe auf 25 Milliarden Euro senkt. Außerdem dürfte in Zukunft auf die Ankündigung einer tendenziell lockereren Geldpolitik („Easing Bias“) verzichtet werden. Ein konkretes Enddatum für das Quantitative Easing wird wohl nicht mitgeteilt werden. Vielleicht wird der Rat versuchen, die deutlich niedri-geren monatlichen Wertpapierkäufe dadurch zu kaschieren, dass er mehr über die Bruttokäufe spricht. Sie enthalten auch Wiederanlagen, wenn Titel aus dem Notenbankportfolio fällig wer-den.

Wir glauben, dass der EZB-Rat seine Rhetorik verschärft, wenn er über die Bedingungen für Zinserhöhungen spricht. Mit anderen Worten: Es dürfte mehr Informationen über die Abfolge der Schritte zum Ausstieg aus dem Quantitative Easing geben. Schon jetzt steht die Notenbank vor dem Problem, dass es immer weniger Wertpapiere gibt, die sie kaufen kann. Eine Verringerung der Käufe bei einer gleichzeitigen Verlängerung des Programms ist daher plausibel. Dies und die Hinweise auf die zukünftige Zinspolitik könnte man dahingehend interpretieren, dass die Notenbank eine faktische Straffung der Finanzbedingungen vermeiden will. So einleuchtend es auch sein mag, dass die EZB angesichts des Aufschwungs im Euroraum das Quantitative Easing verringern will, so sehr steht auch fest, dass die Inflation noch immer unter dem Zielwert der Notenbank liegt (vgl. Abbildung). Außerdem glauben wir, dass der Inflationsausblick noch keine straffere Geldpolitik rechtfertigt.

KEINE ÜBERGEWICHTUNG AMERIKANISCHER SMALL CAPS MEHR

Wir haben unsere Long-Position in amerikanischen Small Caps gegenüber amerikanischen Large Caps mit Gewinn beendet. Hauptgrund war die Sorge, dass die geplante expansive Fis-kalpolitik in den USA weniger unternehmensfreundlich sein wird als erhofft. Insbesondere se-hen wir ein höheres Risiko, dass vor allem die Einkommensteuer und weniger die Unterneh-menssteuern gesenkt werden. Dann dürften Small Caps nicht so stark profitieren wie erwartet.

Wir bleiben bei einer unterdurchschnittlichen Duration, insbesondere bei europäischen Anlei-hen. Wenn die EZB die monatlichen Wertpapierkäufe drastisch senkt (wie wir erwarten), könnte es zu einem Ausverkauf am europäischen Anleihemarkt kommen – selbst wenn das Quantitative Easing verlängert wird.

Redaktionsschluss: 23. Oktober 2017

 

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