Der Assetmanager für eine Welt im Wandel
BNP PARIBAS ASSET MANAGEMENT - AC diversification 1440x300
  • Home
  • Die Politik bestimmt die Schlagzeilen, und die Konjunkturdaten sind meist gut

Die Politik bestimmt die Schlagzeilen, und die Konjunkturdaten sind meist gut

Blick auf die Welt

Colin HARTE
 

Strategie: Britische Aktien gegenüber europäischen Titeln jetzt untergewichtet

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag Fachausdrücke enthält. Er eignet sich daher nicht für Leser ohne professionelle Investmenterfahrung.

ZUSAMMENFASSUNG

  • Aktienmarktrallye nach den Wahlen in Frankreich
  • Bessere Einkaufsmanagerindizes im Euroraum, schwächere in den USA
  • Asset-Allokation: Britische Aktien gegenüber europäischen jetzt untergewichtet

Die Politik hat zuletzt die Schlagzeilen bestimmt. Groß ist die Erleichterung darüber, dass Emmanuel Macron in den Meinungsumfragen für die zweite Runde der französischen Präsidentschaftswahlen führt. In Großbritannien wurden überraschend Neuwahlen ausgerufen, und die Trump-Administration stellt eine baldige Ankündigung größerer Steuerreformen in Aussicht. In unserer Asset-Allokation sind wir in britischen Aktien gegenüber europäischen Titeln jetzt untergewichtet. Damit sind wir in Europa jetzt nicht mehr unter-, sondern leicht übergewichtet. Untergewichtet sind wir aber noch immer in amerikanischen und japanischen Aktien.

Französische Präsidentschaftswahlen: En Marche!

Angesichts des klaren Vorsprings von Macron gegenüber Le Pen in den Umfragen zur Stichwahl ist man an den Märkten erleichtert. Dies zeigte sich zunächst in Asien, wo der Yen, der oft als sicherer Hafen gilt, abwertete, sodass japanische Aktien stiegen. Noch größer waren bislang die Gewinne in Europa. In Frankreich wie auch im EuroStoxx 50 stehen Bankaktien dabei an der Spitze. Die Anleiherenditen „sicherer“ Länder (USA, Deutschland, Niederlande Schweiz) steigen. In Frankreich, Italien und Spanien gingen die Risikoprämien zurück, sodass die Renditen hier fielen. Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar und dem britischen Pfund stark aufgewertet.

Nach den letzten Umfragen sind Macron’s Aussichten für die zweite Runde gut. Bis das Ergebnis am 7. Mai bekanntgegeben wird, sind gewisse Kursschwankungen nicht auszuschließen, da die Investoren immer mal wieder über eine mögliche Siegchance der euroskeptischen Marine Le Pen spekulieren könnten. Was Macron als Präsident innenpolitisch erreichen kann, ist indessen unklar. Viel wird von der Zusammensetzung des Parlaments abhängen, mit dem er zusammenarbeiten muss.

Parlamentswahlen in Grossbritannien: harter oder weicher Brexit?

Letzte Woche gab Premierministerin Theresa May überraschend Neuwahlen bekannt. Nach den Umfragen wird sie klar gewinnen. Das Pfund profitierte von der Nachricht, vielleicht aufgrund der Vermutung, dass Frau May bei einer großen Mehrheit im Unterhaus leichter Kompromisse mit der EU eingehen kann und der Brexit dann weicher wird. Aber noch gibt es einige Unsicherheiten: Nach den Wahlen könnten unter Umständen noch mehr konservative Befürworter eines harten Brexits im Unterhaus sitzen. Und die Premierministerin könnte meinen, dass er unvermeidbar ist, selbst wenn sie ihre Mehrheit ausbaut.

Steuerreformen in den USA?

„Big TAX REFORM AND TAX REDUCTION will be announced next Wednesday” twitterte Präsident Trump am Samstag – nächsten Mittwoch soll also eine große Steuerreform mit Steuersenkungen bekannt gegeben werden. Obwohl Trumps Haushaltsdirektor Mulvaney gesagt hat, dass die Mitteilung am Mittwoch nur „einige konkrete Grundsätze, Richtlinien und Hinweise auf mögliche zukünftige Steuersätze“ enthalten solle, könnte allein das schon bewirken, dass man an den Märkten wieder an die Reflationierung glaubt. Vielleicht wird Trump in Aussicht stellen, dass das Haushaltsdefizit zwar kurzfristig steigt, dies aber durch mehr Wachstum infolge der Steuersenkungen mit der Zeit wieder ausgeglichen wird. Dennoch möchten wir zur Vorsicht mahnen. Einige größere Unsicherheiten bleiben, insbesondere die Frage, ob nur Steuersenkungen geplant sind oder eine umfassende Reform ansteht. Kurzfristig muss auch eine Lösung gefunden werden, um die Regierungstätigkeit zu finanzieren – sonst droht am 29. April wieder einmal ein Government Shutdown. Wir glauben, dass frühestens im vierten Quartal dieses Jahres mit Steuersenkungen zu rechnen ist.

Und was ist mit den Konjunkturdaten?

Die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes sind im Euroraum weiter gestiegen, sowohl in der Industrie als auch im Dienstleistungssektor. Der Composite-PMI stieg auf den höchsten Wert seit sechs Jahren. Unser Wachstumsausblick für den Euroraum ist gut, doch bezweifeln wir, dass das Wirtschaftswachstum tatsächlich so stark zulegt wie die Indizes andeuten. Exporte wie Importe sind im Februar etwas schwächer gewachsen, während die Industrieproduktion im Euroraum unerwartet fiel.

In den USA gingen beide Sektorindizes zurück, sodass sich der Composite-Index den vierten Monat in Folge verschlechterte. Auch die regionalen Geschäftsklimaindizes und die Stimmung der Bauherren haben zuletzt enttäuscht. Auf den ersten Blick schien die Industrieproduktion im März in Ordnung, aber der Rückgang gegenüber dem Vormonat ist ein Hinweis auf eine grundlegende Schwäche. Im ersten Quartal war das Wachstum vermutlich recht niedrig, und die Erholung im zweiten Quartal könnte sich in Grenzen halten.

In Japan legte der Einkaufsmanagerindex im April nach einem Rückgang im März zu. Auffällig ist der Unterschied zwischen Binnen- und Exportwirtschaft. Die Binnennachfrage ist noch immer schwach, während Exporte und Importe im Februar zulegten. Dass die Importe im ersten Quartal stärker gestiegen sind als die Exporte, hat dem Wirtschaftswachstum insgesamt geschadet.

In China bestätigen die jüngsten Zahlen, dass sich die Konjunktur noch immer stabil erholt. Das chinesische BIP legte im ersten Quartal zu, real wie nominal. Die Investitionen sind deutlich starker gewachsen. Stärker gewachsen ist das verarbeitenden Gewerbe, während der Dienstleistungssektor an Dynamik verlor. Kurzfristig ist ein stabiles Wachstum in China gut, doch gibt es noch immer einige Risiken. Das Geldmengenwachstum hat abgenommen und die Kreditvergabe (einschließlich Neuverschuldung des Staates) ist sogar noch langsamer gewachsen. Die Wirkungen der expansiven Geld- und Fiskalpolitik laufen aus. Es bleibt abzuwarten, wie stark die chinesische Wirtschaft aus eigener Kraft wachsen kann

Guter Beginn der US-Berichtssaison

Die Berichtssaison amerikanischer Unternehmen für das erste Quartal hat gut begonnen. Eine große Mehrheit jener 20% der S&P 500-Unternehmen, die schon Zahlen vorgelegt haben, hat sowohl beim Nettogewinn als auch beim Umsatz positiv überrascht. So viele positive Überraschungen hat es schon seit Jahren nicht mehr gegeben. Insbesondere bei den Umsätzen fällt die große Verbesserung gegenüber den letzten zwei Jahren auf, als nur die Hälfte der Unternehmen die Erwartungen übertroffen hat. Gemessen an den bislang vorgelegten Zahlen und den Erwartungen für die Unternehmen, die noch nicht berichtet haben, haben die Gewinne je Aktie im ersten Quartal um 10% zugelegt. Das wäre der größte Zuwachs seit dem dritten Quartal 2010. Bedenken haben wir bei US-Aktien eher wegen der Bewertungen. Wir glauben, dass bei moderatem Wirtschaftswachstum das derzeitige Kurs-Gewinn-Verhältnis von derzeit 17,5 recht hoch ist.

Britische Aktien gegenüber europäischen jetzt untergewichtet

In unserer Asset-Allokation sind wir eine Short-Position in britischen Aktien gegenüber kontinentaleuropäischen Aktien eingegangen. Je nach Kundenmandat untergewichten wir britische Aktien jetzt gegenüber Aktien aus Europa ohne Großbritannien oder gegenüber dem EuroStoxx 50. Für diese Positionierung gibt es vor allem zwei Gründe. Zum einen wollten wir die Untergewichtung europäischer Aktien beenden. Aufgrund unserer Positionierung in Großbritannien sind wir in Europa ohne Großbritannien jetzt faktisch übergewichtet, passend zu unserer positiven Einschätzung des Euroraums. Zuvor waren wir nicht übergewichtet, da unsere Gewinnschätzungen unter dem Marktkonsens lagen und die Bewertungen recht hoch waren. Dennoch glauben wir, dass die Bewertungen in Europa weniger ein Problem sind als in den USA.

Bei unserer Positionierung geht es aber nicht nur um den Euroraum. Wir glauben auch, dass die Konsenserwartungen von 15% Gewinnwachstum in Großbritannien zu hoch sind. Aufgrund der Pfundabwertung und der Ölpreiserholung haben sich die britischen Unternehmensgewinne gut entwickelt, aber beides lässt nach. Wir sehen keine Möglichkeit, wie die britischen Unternehmensgewinne die Erwartungen erfüllen können. Daher sind wir untergewichtet.

Diese Positionierung – Short-Position in Großbritannien gegenüber Europa – führt zu etwas höheren Portfoliorisiken, da wir den volatileren Aktienindex untergewichten. Dies passt zu unseren jüngsten Strategieänderungen wie der Beendigung der Untergewichtung von Rohstoffen und der Übergewichtung von Emerging-Market-Lokalwährungsanleihen. Insgesamt sind wir aber noch immer eher konservativ positioniert – mit einer Untergewichtung von Industrieländeraktien, Emerging-Market-Fremdwährungsanleihen sowie amerikanischen High-Yield-Anleihen.

Redaktionsschluss: 24. April 2017

20170426_graph-wsu_ger

 

Mehr zu diesem Thema