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Der nachhaltige Investor für eine Welt im Wandel

Das Auto, 1886 erfunden, ist heute eine tragende Säule des Wirtschaftswachstums. Diese Entwicklung hat sich jedoch nicht von heute auf morgen vollzogen.

Einer der erfolgreichsten Investoren der Welt, Warren Buffett, hat darauf hingewiesen, dass das Potenzial des Autos zwar vielen Investoren bereits 1903 klar gewesen sein dürfte. Dennoch hätten Anleger, die zu diesem frühen Zeitpunkt in die Autobranche eingestiegen wären, wahrscheinlich Geld verloren. Denn von den rund 2.000 Unternehmen, die in den folgenden Jahrzehnten in der US-Automobilindustrie eine Rolle spielten, haben nur drei bis heute überlebt.

Diese Überlegungen sind insbesondere für Investoren relevant, die sich mit dem Gedanken tragen, in Elektrofahrzeuge zu investieren. Auf der einen Seite ist der Übergang zur Elektromobilität ein deutlicher Trend und entscheidend für den Weg zur Klimaneutralität. Auf der anderen Seite ist es nicht einfach, diejenigen Unternehmen zu identifizieren, die überleben und in den nächsten zehn bis 20 Jahren Erfolg haben werden.

Anders als 1903 ist die Automobilbranche bereits gesettelt. Daher lassen sich Bereiche identifizieren, die aufgrund von Wettbewerbs- und Größenvorteilen wahrscheinlicher erfolgreich sein dürften. Aber neue Technologien können disruptiv wirken und sind schwer vorhersehbar – dies gilt insbesondere für Batterien und die dazugehörigen Lieferketten. Hier wird deutlich, wie wichtig eine aktive Fundamentalanalyse ist.

Der E-Auto-Markt boomt

Wenn Anleger mehr über die Zukunft innovativer Technologien, ihre Wirkung sowie das Tempo von Wachstum und Marktdurchdringung wissen möchten, suchen sie oft nach Parallelen in der Vergangenheit. Die Entwicklung des Verbrennungsmotors kann als Modell dafür dienen, wie sich der Markt für Elektrofahrzeuge entwickeln könnte. Dies kann einerseits für den Absatz von Autos und die Aussichten der Hersteller relevant sein, andererseits aber auch helfen, die Bedeutung der Entwicklung für angrenzende Branchen, die Infrastruktur und die Lieferketten besser einordnen zu können. Letztlich können Anleger auf dieser Basis fundiertere Anlageentscheidungen treffen.

Der Elektromotor ist fast genauso alt wie der Verbrennungsmotor. Aber erst in den 1990er-Jahren lief das erste moderne E-Auto vom Band. Die Markteinführung erfolgte zunächst langsam, hat aber in letzter Zeit Fahrt aufgenommen. 2021 waren knapp zehn Prozent der weltweit verkauften Autos mit einem Elektromotor ausgestattet – viermal so viel wie im Vorjahr. Die Dynamik hat sich auch in diesem Jahr fortgesetzt: Im ersten Quartal 2022 wurden zwei Millionen E-Autos verkauft, ein Anstieg um 75 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2021.[1]

Dieses exponentielle Wachstum lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen, darunter staatliche Stimuli, ein Anstieg der Zahl der Modelle mit Elektromotor und Rekordpreise für Diesel und Benzin. Ein weiterer wichtiger Grund sind veränderte Verbraucherpräferenzen: Immer mehr Menschen entdecken die Vorteile eines umweltbewussten Lebensstils, und im Transportwesen ist der Einstieg relativ unkompliziert.

Aufgrund der dynamischen Entwicklung könnte man annehmen, der Sektor habe seinen Zenit bald erreicht – tatsächlich steht der Trend aber noch ganz am Anfang. Mehr als die Hälfte des aktuellen Absatzes ist nach China zu verorten, der Rest hauptsächlich nach Europa und den USA. Das heißt, dass eine ganze Reihe von Regionen, darunter insbesondere die Schwellenländer, Nachholbedarf haben. Um bis 2050 klimaneutral zu werden, müssen bis 2030 60 Prozent der weltweit verkauften Fahrzeuge E-Fahrzeuge sein – gemäß aktuellen Prognosen werden es voraussichtlich aber nur rund 30 Prozent sein.

Autos, Busse, Mopeds …

Dabei geht es nicht alleine um Autos – auch wenn viele das glauben mögen. Um die CO2-Emissionen wirklich auf Netto-Null zu bringen, muss ein Umbau der gesamten Verkehrsinfrastruktur erfolgen. Fortschritte bei der Elektrifizierung anderer Verkehrsbereich finden bereits statt, wenn auch weniger lautstark.

Gemäß dem siebten jährlichen Long Term Electric Vehicle Outlook von BloombergNEF sind weltweit über 1,3 Millionen Nutzfahrzeuge mit Elektromotor auf der Straße, darunter Busse, Lieferwagen und Lkws, sowie über 280 Millionen E-Mopeds, -Roller, -Motorräder und -Dreiradfahrzeuge. Auch hier ist China mit 685.000 Elektrobussen und 195 Millionen elektrisch betriebenen Zweirädern Marktführer. Immerhin entfielen aber auch in Südkorea 17 Prozent der Verkäufe von leichten Nutzfahrzeugen auf E-Fahrzeuge, und fast 40 Prozent der Dreiradfahrzeuge in Indien haben bereits einen Elektromotor.[2]

Ladeinfrastruktur gefragt

Eine Hürde für die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen ist die Ladeinfrastruktur. Viele schrecken vor dem Kauf eines E-Autos zurück, weil sie Angst haben, keine Ladesäule zu finden, wenn sie sie brauchen.

2021 gab es in Europa rund 376.000 öffentlich zugängliche Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Das hört sich bereits nach viel an, aber gemäß Schätzungen soll die Zahl bis 2025 auf 1,3 Millionen und bis 2030 auf 2,9 Millionen ansteigen. Hinzu kommen erhebliche regionale Unterschiede, sowohl, was die Anzahl der Ladestationen betrifft, als auch in Bezug auf die Ladegeschwindigkeit. Die schnellsten Ladestationen bringen derzeit eine Höchstleistung von 400 Kilowatt – damit lässt sich ein Fahrzeug in etwa 15 Minuten voll aufladen.[3]

Um das Potenzial der Elektrifizierung im Transportsektor zur Gänze auszuschöpfen – dazu zählen auch etwa Fahrdienste, Mietautos und Lieferservices –, muss der Ausbau der Ladeinfrastruktur in den Fokus rücken. Neben einzelnen Ladestationen zu Hause, in Supermärkten und Einkaufszentren sowie an Tankstellen könnten größere Zentren aufgebaut werden, wo Hunderte von Fahrzeugen gleichzeitig aufgeladen werden können. Das käme nicht nur den Nutzern zugute, sondern würde auch dazu beitragen, die für den Betrieb dieser Fahrzeuge nötige Stromversorgung zu steuern.

Auch hier wird die Digitalisierung eine entscheidende Rolle spielen. Das „intelligente“ Laden kann dazu beitragen, den Energieverbrauch zu optimieren. Außerdem ist dank der Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G, deutsch: vom Fahrzeug zum Netz) eine Rückführung des in Fahrzeugbatterien gespeicherten Stroms ins Netz möglich.

Die Batterie ist das Problem

Die größte Herausforderung, wenn es um die Massentauglichkeit von Elektrofahrzeugen geht, ist die Bereitstellung von Batterien und insbesondere der dafür benötigten seltenen Metalle und Mineralien.

Die Einführung von Elektrofahrzeugen ist schon jetzt in vielen Ländern stärker durch das Angebot als durch die Nachfrage eingeschränkt. So haben einige E-Auto-Modelle Lieferzeiten von einem Jahr und mehr. 2022 wird der Preis für eine Batterie wahrscheinlich erstmals seit einem Jahrzehnt wieder steigen.[4]

Die Crux liegt darin, dass das Angebot an Batterierohstoffen wie Lithium, Kobalt und Nickel begrenzt ist. Zudem sind viele Länder weltweit in diesem Bereich schlecht aufgestellt. China beherrscht den Markt rund um die Veredelung wirtschaftsstrategischer Mineralien: 73 Prozent des Kobalt, 68 Prozent des Nickel und 59 Prozent des Lithium für die globale Produktion kommen aus dem Reich der Mitte. Demgegenüber erreicht in Europa nur die Raffinierung von Kobalt mit etwa 20 Prozent ein nennenswertes Niveau, in den USA nicht einmal das.[5]

Die wachsende Besorgnis über Chinas dominante Position in der Batterielieferkette hat Regierungen und Unternehmen zum Handeln veranlasst. Namhafte Autohersteller versuchen inzwischen, mehr Kontrolle über ihre Bezugsquellen zu erhalten, und einige Länder haben politische Maßnahmen ergriffen, um gegenzusteuern.

Das US-amerikanische Gesetz zur Inflationsbekämpfung, der Inflation Reduction Act, kann als wichtige Initiative gegen den Klimawandel gelten. Allerdings setzen die darin enthaltenen Steuervorteile für Elektrofahrzeuge voraus, dass ein bestimmter Prozentsatz der Rohstoffe aus dem Inland kommt, von Freihandelspartnern bezogen oder durch Recycling gewonnen wurde. Bezeichnenderweise gehört China nicht in diesen Kreis. Mit diesen Vorgaben ist die USA nicht zuletzt auch bei der EU angeeckt, die darin eine Diskriminierung und einen Verstoß gegen die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) sieht. Zudem warnten kritische Stimmen, dass unter diesen Voraussetzungen wahrscheinlich nur wenige Fahrzeuge von den Subventionen profitieren könnten.

Mehr sehen als andere

Wir stehen am Beginn einer Ära der Elektromobilität. Verbraucher, Unternehmen und Regierungen stellen sich bereits darauf ein. Aber es braucht noch einiges an Arbeit, um den Übergang erfolgreich zu gestalten. In der Vergangenheit haben sich Entwicklungen nicht immer dort abgespielt, wo man es erwartet. Automobilhersteller stellen sich gemeinsam dem Wandel, aber aus den Nachbarbereichen weht Gegenwind, der einen raschen Fortschritt behindern könnte.

Unsere Environmental Strategies Group von BNP Paribas Asset Management geht davon aus, dass es nicht reicht, einen Trend – so revolutionär er auch sein mag – zu identifizieren, um erfolgreich zu investieren. Vielmehr braucht es ein umfassendes Verständnis für die enormen Herausforderungen und Chancen unserer Gegenwart. Unternehmen zu finden, die bestimmte Themen effektiv umsetzen, erfordert profundes Research, einen offenen Geist und einen überzeugenden Anlageansatz, der unkonventionelles Denken zulässt und auf die besten Chancen in einer Reihe zusammengehöriger Sektoren ausgerichtet ist.

Wir sind davon überzeugt, dass ein aktiver Ansatz entscheidend ist, um die Unternehmen zu identifizieren, die Potenzial für überdurchschnittliche Ergebnisse haben.

Referenzen

[1] https://www.iea.org/reports/global

[2] https://www.virta.global/smart

[3] https://www.ft.com/content/48dbf7ba

[4] https://www.ft.com/content/e7dfb0de

[5] https://www.iea.org/reports/global

Haftungsausschluss

Bitte beachten Sie, dass diese Artikel eine fachspezifische Sprache enthalten können. Aus diesem Grund können sie für Leser ohne berufliche Anlageerfahrung nicht geeignet sein. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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