BNP AM

Der nachhaltige Investor für eine Welt im Wandel

Wöchentliches Markt-Update – Anleihen unter Druck

Angesichts des nicht nachlassenden Inflationsdrucks ziehen die Anleiherenditen deutlich an, da Anleger sich für eine erhebliche Anhebung der Leitzinsen durch die EZB und die US-Notenbank (Fed) Ende September positionieren.   

Jackson Hole – Restriktive Töne

Fed-Präsident Jerome Powell wies auf dem jährlichen Treffen von Zentralbanken und Ökonomen in Jackson Hole, Wyoming, darauf hin, dass der Offenmarktausschuss (FOMC) die Inflation auf 2 % senken will und die Preisstabilität das Fundament der US-Wirtschaft sei.   

Das Ende der Straffung der Geldpolitik seitens der Fed ist in weite Zukunft gerückt. Die Bekämpfung der hohen Inflation steht weiterhin im Fokus. Der Fed-Präsident ist zudem der Ansicht, dass ein längeres Festhalten an einer restriktiven Politik wahrscheinlich notwendig sei, um die Preisstabilität wiederherzustellen.

Offenbar wollte er damit auf die am Markt bestehende Erwartung reagieren, wonach es schon relativ früh im Jahr 2023 Zinssenkungen geben könnte.

Weiter erklärte der Fed-Präsident, die Wiederherstellung der Preisstabilität werde wahrscheinlich „eine längere Phase von unterdurchschnittlichem Wachstum“ mit sehr wahrscheinlich einem nachlassenden Arbeitsmarkt erfordern.    

Powell bemerkte, dass der aktuelle Zielbereich der Federal Funds Rate von 2,25-2,50 % das Niveau sei, auf das der Zinssatz aus Sicht der Fed längerfristig zurückgehen sollte (der so genannte „neutrale Zinssatz“). Er verwies ferner darauf, dass Schätzungen des längerfristigen neutralen Zinssatzes im aktuellen Umfeld, das von einer Inflation deutlich über 2 % und einem extrem angespannten Arbeitsmarkt gekennzeichnet ist, kein Ort sei, „an dem man anhalten oder pausieren sollte“.

Powell schloss nicht aus, dass auf der nächsten FOMC-Sitzung am 20.-21. September die dritte Senkung nacheinander der Fed Funds Rate um 75 Bp. beschlossen wird. Was bei der Sitzung der Fed im September herauskommt, hängt von den gesamten Konjunkturdaten ab, die bis dahin veröffentlicht werden, darunter die neuen US-Arbeitslosenzahlen, welche am 2. Septemberneue Informationen über die Lage auf dem Arbeitsmarkt liefern werden. Die Konsenserwartungen laufen auf 300.000 neu geschaffene Jobs in den USA im August hinaus, gegenüber 528.000 im Juli.

Unser Macro Research Team erwartet, dass die Kern-PCE-Inflation in den USA unter Berücksichtigung von Anhebungen der Federal Funds Rate bis auf einen Stand von 4,00 %-4,25 % im ersten Quartal 2023 schon in einem Jahr auf 3,9 % absinken wird.

Marktreaktion auf Powells Rede

Nach den restriktiven Signalen aus Jackson Hole gingen die US-Aktienmärkte vier Tage nacheinander zurück. Alles in allem betrug das Minus fast 6 % beim S&P 500 und knapp 7 % beim NASDAQ Composite, sodass die Sommer-Rally an Glanz verlor (siehe Diagramm 1).

Diagramm-1-US-Aktienkurse-fielen-nach-Fed-Prasident-Powells-Rede-am-26.-August-in-Jackson-Hole

Die Renditen der US-Staatsanleihen sind nach Powells Rede gestiegen.  Die Rendite zweijähriger Treasuries erreichte diese Woche mit 3,5 % ihren höchsten Stand seit 2007, während die Rendite zehnjähriger Treasuries auf 3,2 % kletterte.

EZB-Ratssitzung am 8. September

Der August war für die europäischen Anleihemärkte schwierig, da sie nach der Juli-Rally mit einer heftigen Verkaufswelle konfrontiert waren. Die Performance litt darunter, dass die Anleger sich für eine aggressivere Geldpolitik positionierten, mit der die Zentralbanken dem Anstieg der Lebensmittel- und Benzinpreise aufgrund des russischen Krieges in der Ukraine entgegenwirken wollen.

Die Verkaufswelle verstärkte sich diese Woche erneut, nachdem neue Zahlen einen Rekordanstieg der Verbraucherpreise in der Eurozone von 9,1 % im August ergaben. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen stieg im August um etwas mehr als 0,7 % auf 1,54 %. Dies ist der zweitstärkste Anstieg innerhalb eines Monats seit 1990. Auch zweijährige deutsche Bundesanleihen rentierten deutlich mehr und lagen am Monatsende bei 1,1 %.

Die europäischen Gaspreise zogen im August wieder stark an. Terminkontrakte mit Bezug zum TTF Natural Gas Future stiegen um knapp 40 %; ihr Gesamtanstieg der letzten beiden Monate beträgt somit fast 70 %. In dieser Woche unterbrach Russland erneut die Erdgaslieferungen nach Europa über die Pipeline Nord Stream 1, weil bis zum 3. September Wartungsarbeiten erforderlich seien.

Der US-Dollar setzte seinen Anstieg gegenüber dem Euro im dritten Monat in Folge fort. Der Euro verbilligte sich um 7,4 % gegenüber dem Dollar. Das Protokoll der geldpolitischen Sitzung des EZB-Rats im Juli ging eigens auf den Euro-Rückgang ein; dieser stelle eine deutliche Veränderung des Umfelds dar, weil er durch die höheren Kosten für Energieimporte, die in US-Dollar abgerechnet werden, den Inflationsdruck verstärkt.

Diagramm-2-Dollar-Starke-setzte-sich-im-August-fort

Insgesamt erhöht dieses Umfeld den Druck auf die Europäische Zentralbank, bei den Zinserhöhungen ein höheres Tempo anzuschlagen. Im Juli hob die EZB ihren Einlagensatz zum ersten Mal seit zehn Jahren an, von minus 0,5 % auf 0 %. Die Märkte preisen nun die Möglichkeit einer Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte auf der Sitzung am 8. September ein.  

Haftungsausschluss

Bitte beachten Sie, dass diese Artikel eine fachspezifische Sprache enthalten können. Aus diesem Grund können sie für Leser ohne berufliche Anlageerfahrung nicht geeignet sein. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

Ähnliche Artikel

12:27 MIN
Talking Heads – Rezession im Zeitraffer führt zur Schwächung der Aktien
Daniel Morris
2 Autoren - Blog
Wöchentliches Markt Update – Geldpolitik bereitet weltweit Kopfzerbrechen
Wöchentliches Markt-Update – Löwen, Tiger und Bären