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Der nachhaltige Investor für eine Welt im Wandel

In den letzten 30 Jahren waren die Renditen an den Anlagemärkten insgesamt selten geringer als derzeit: In diesem Jahr näherten sich die Verluste eines Portfolios, das Aktien und Anleihen im Verhältnis 60:40 enthält, denen der globalen Finanzkrise von 2008. Die Finanzmärkte preisen zunehmend eine ‚Stagflation‘ – schwaches Wachstum und steigende Inflation – ein. Was bedeutet das für die Anlageallokation?

Wir wollen zunächst auf den Ausblick für die US-Zinssätze eingehen. Die Erwartungen für den Leitzins in einem Jahr sind angesichts der Anzeichen für ein schwächeres Wirtschaftswachstum und der Sorgen um eine Rezession um etwa 40 Basispunkte gesunken. Das Wachstum muss sich verlangsamen, wenn die Inflation in Richtung des langfristigen Inflationsziels der US-Notenbank sinken soll. Das Wachstum der Einzelhandelsumsätze lässt bereits nach, und die Einkaufsmanagerindizes (EMI) sind rückläufig. Die Anleger befürchten eine zu starke Verlangsamung.

Ein wichtiger Indikator, den wir im Auge behalten müssen, wird das Lohnwachstum in den USA sein. Die jüngsten Lohnzuwächse waren nicht mit dem Inflationsziel der Fed vereinbar. Das Lohnwachstum muss bis zum Herbst nachzulassen beginnen, um die Märkte weiterhin davon zu überzeugen, dass weitere Leitzinserhöhungen um insgesamt 200 Basispunkte – wie derzeit eingepreist – ausreichen, um die Inflation in den Griff zu bekommen.

Die Konsensschätzungen für das BIP-Wachstum sind nicht gerade beruhigend, denn sie deuten darauf hin, dass das Wachstum bis 2023 konstant bei etwa 2 % pro Quartal liegen wird. Die negativsten Prognosen, die auf eine Rezession hindeuten könnten, lassen damit rechnen, dass diese gegen Ende des nächsten Jahres eintreten dürfte. Auch wenn wir pessimistischer sind als der Konsens, gehen wir davon aus, dass eine Rezession vermieden werden kann.

Gewinnschätzungen 

Die Gewinnprognosen haben sich größtenteils abgeflacht, da die Analysten eine nachlassende Nachfrage aufgrund der Inflation und geringere Gewinnspannen infolge höherer Kosten einkalkulieren (siehe Diagramm 1). Dennoch sind wir der Meinung, dass die Prognosen für Europa ohne Großbritannien zu optimistisch sind, und rechnen mit erheblichen Rückstufungen. Der Anstieg des Gewinnwachstums im Rohstoffsektor wird wahrscheinlich nur vorübergehend sein. Die Erträge des europäischen Energiesektors könnten sich bis 2022 fast verdoppeln, bevor sie in den nächsten zwei Jahren sinken.

Um auf Nummer sicher zu gehen, würden wir in unseren Portfolios einfach Long-Positionen in Rohstoffen bevorzugen – eine Mitte April wiederhergestellte Position, die sich für uns bewährt hat und die wir weiterhin deutlich übergewichten.

Nach einer Phase starker Outperformance haben wir unsere Short-Position in Europa ausgebaut. Zyklisch ausgerichtete europäische Aktien sind mit hemmenden Einflussgrößen durch eine Verlangsamung des Wachstums und steigende Inflation, einer EZB, die sich eindeutig auf die Inflation konzentriert, geopolitischen Risiken und zu optimistischen Gewinnprognosen der Analysten konfrontiert.

Unsere Long-Engagements konzentrieren sich auf Asien. Wir sind der Ansicht, dass Japan aufgrund des unterstützenden innenpolitischen Umfelds und Aufwärtsrisiken für die Konsens-Gewinnprognosen einen hochqualitativen Wert bietet. In China ist die Politik ebenfalls unterstützend und die Bewertungen sind äußerst interessant, insbesondere im Technologiesektor (siehe unten).

Herausforderungen und Gelegenheiten in China

Die Märkte scheinen nun über die kurzfristigen Herausforderungen hinwegzusehen, da sie davon ausgehen, dass die Covid-bedingten Verbote schließlich aufgehoben werden dürften und sich die Wirtschaftstätigkeit erholt. Peking hat in letzter Zeit versucht, sein Versprechen einzulösen, alles zu tun, um das Wachstum zu unterstützen, und wir konnten eine bessere relative Performance chinesischer Aktien beobachten.

Wir sehen drei Gründe für eine taktische Allokation in China:   

  • Erstens die Bewertungen. Am Kurs-Gewinn-Verhältnis gemessen sind chinesische Aktien nach wie vor fast eine Standardabweichung billiger als internationale Aktien. Besonders deutlich ist der Abschlag im Technologiesektor.
  • Zweitens, ein günstigerer Ausblick. Wir erwarten ein gutes Gewinnwachstum: Im zyklischen Verbrauchsgüterbereich sagen der Konsens und BNPP AM Research beispielsweise einen Gewinnanstieg von 40 % voraus. Auch die positiven Signale für das Markt-Timing sind weiterhin vorhanden. Jetzt, da die Regulierungsbemühungen im Technologiesektor hinter uns zu liegen scheinen, fällt die Widerstandsfähigkeit der Unternehmen dieses Sektors auf.
  • Drittens: Die Trendwende bei der Kreditvergabe in China, während in anderen Ländern die Geldpolitik gestrafft wird. Dies dürfte ein günstiges Umfeld für chinesische Unternehmen schaffen. 

Das Streben nach höheren Renditen

Die Nominalrenditen zehnjähriger US-Staatsanleihen haben im Mai zum ersten Mal seit Juli 2018 die wichtige Schwelle von 3 % überschritten. Der Anstieg war auf stark steigende Realrenditen zurückzuführen, da die Erwartung einer weiteren aggressiven Straffung der Geldpolitik durch die Fed zur Dämpfung des Inflationsdrucks eingepreist wurde. Die realen fünfjährigen Terminrenditen in fünf Jahren sind in Richtung des ‚neuen Normalzustands‘ nach der großen Finanzkrise gestiegen, der mit einer langfristigen Stagnation in Verbindung gebracht wird.

Ein neues Regime mit höherer Inflation dürfte zwar höhere Leitzinsen und höhere langfristige Renditen mit sich bringen, aber vorerst sind heftige Marktschwankungen zu verzeichnen. Dementsprechend haben wir unsere Untergewichtung der Duration schrittweise reduziert.

Wir sind der Ansicht, dass die Inflationserwartungen noch steigen können – bei den persönlichen Kernverbrauchsausgaben (dem bevorzugten Inflationsmaß der Fed) ist der Weg nach unten noch weit, und die Inflation wird sich möglicherweise so schnell nicht verlangsamen. Unserer Meinung nach könnten die Laufzeitprämien auch weiter ansteigen, wenn die Zentralbank ihre Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung, einschließlich der quantitativen Straffung, intensiviert.

Aus Bewertungsgründen haben wir unsere Short-Positionen in den USA und Europa reduziert, während wir unsere Short-Positionen in japanischen Staatsanleihen beibehalten haben. Grundsätzlich bleiben wir jedoch bei Anlagen mit langer Duration zurückhaltend.

Ansichten zur Anlageklasse

  Starke Aversion Aversion Neutral Bereitschaft Starke Bereitschaft
 Risikobereitschaft*   X      
 Anlageallokation   Staatsanleihen UnternehmensanleihenImmobilienBarmittel AktienRohstoffe  
 Aktienregionen   Europa ohne UK USA  JapanSchwellenländer  
 Aktienstil / Marktkapitalisierung     EU Large CapEU Small CapUS Large CapUS Small Cap    
 Staatsanleihen   USAEuropaJapan Schwellenländer LokalAustralienUKLinker    
 Unternehmensanleihen     US Investment GradeUS High YieldSchwellenmärkte   EU IGEU HY   
 Rohstoffe     Edelmetalle EnergieBasismetalle  
 Devisen     USD, AUD, GBP, EUR, Schwellenländerwährungen JPY  

* Risikobereitschaft/Risiko-Rendite-Verhältnis – Stand der Daten: 27. Mai 2022. Die Ansichten spiegeln diejenigen des Anlageausschusses des Multi-Asset-Teams bei MAQS wider. Andere spezifische/taktische Trades können zusätzlich umgesetzt werden.

Disclaimer

Bitte beachten Sie, dass diese Artikel eine fachspezifische Sprache enthalten können. Aus diesem Grund können sie für Leser ohne berufliche Anlageerfahrung nicht geeignet sein. Alle hier geäußerten Ansichten sind die des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung und basieren auf den verfügbaren Informationen, womit sie ohne vorherige Ankündigung geändert werden können. Die einzelnen Portfoliomanagementteams können unterschiedliche Ansichten vertreten und für verschiedene Kunden unterschiedliche Anlageentscheidungen treffen. Der Wert von Anlagen und ihrer Erträge können sowohl steigen als auch fallen und Anleger erhalten ihr Kapital möglicherweise nicht vollständig zurück. Investitionen in Schwellenländern oder spezialisierten oder beschränkten Sektoren können aufgrund eines hohen Konzentrationsgrads, einer größeren Unsicherheit, weil weniger Informationen verfügbar sind, einer geringeren Liquidität oder einer größeren Empfindlichkeit gegenüber Änderungen der Marktbedingungen (soziale, politische und wirtschaftliche Bedingungen) einer überdurchschnittlichen Volatilität unterliegen. Einige Schwellenländer bieten weniger Sicherheit als die meisten internationalen Industrieländer. Aus diesem Grund können Dienstleistungen für Portfoliotransaktionen, Liquidation und Konservierung im Namen von Fonds, die in Schwellenmärkten investiert sind, mit einem höheren Risiko verbunden sein.

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