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Aktien legen trotz Hindernissen für US-Steuerpläne zu, britische Geldpolitik „ein Fehler“

November 8, 2017 - Colin Harte, Head of Research, Active Asset Allocation, Multi Asset Solutions

Volatilität trotz nachrichtenreicher Woche niedrig

Bitte beachten Sie, dass dieser Beitrag Fachausdrücke enthält. Er eignet sich daher nicht für Leser ohne professionelle Investmenterfahrung.

ZUSAMMENFASSUNG

  • Bank of England: Glaubwürdigkeitsprobleme bei der ersten Zinserhöhung seit zehn Jahren
  • US-Steuerreform: Pläne werden klarer
  • Asset-Allokation: Zweite Hälfte unserer Long-Position in australischen gegenüber amerikanischen Anleihen geschlossen

In der ersten Novemberwoche gab es nicht viele Überraschungen. Internationale Aktien legten weiter zu und stiegen auf neue Allzeithochs – fast so wie das neue iPhone. Die Apple-Aktie legte dank des neuen Mobiltelefons kräftig zu und stützte den S&P 500 Index. In Europa und Japan sorgen hohe Unternehmensgewinne für Dynamik.

An den Rohstoffmärkten zogen die Ölpreise weiter an. Dazu trug bei, dass der saudi-arabische Kronprinz im Rahmen seiner Antikorruptionskampagne mehrere Personen verhaften ließ und seine Macht ausbaute, nach Ansicht einiger Analysten aber auch politische Instabilität im größten OPEC-Ölförderland riskierte. Bei Redaktionsschluss notierte der Barrel Brent über 60 US-Dollar.

Die Volatilitätsindizes blieben niedrig. Vieles hätte für Marktvolatilität sorgen können, aber nichts passierte. Das amerikanische Repräsentantenhaus verständigte sich auf einen Vorschlag für das Steuerreformgesetz, Präsident Trump bestimmte den nächsten Vorsitzenden der Fed, die Bank of England hob ihre Leitzinsen erstmals seit zehn Jahren an und die katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen sorgen weiter für Unruhe – auch weil ein spanischer Richter einen europäischen Haftbefehl für Regionalpräsident Puigdemont ausstellte, der nach Belgien geflohen war.

 

BANK OF ENGLAND ERHÖHT ERSTMALS SEIT ZEHN JAHREN DIE ZINSEN …

Die Zinsentscheidung der britischen Notenbank hat die Märkte nicht überrascht. Die zurückhaltenden Formulierungen und die Ablehnung des Zinsschritts durch zwei der sieben Ausschussmitglieder hat vielen Marktteilnehmern aber zu denken gegeben. Aufgrund der zuvor eher scharfen Rhetorik waren viele nicht von einem einzelnen Zinsschritt, sondern von einem vollständigen Straffungszyklus bis ins Jahr 2018 hinein ausgegangen.

Die Marktreaktion war daher das genaue Gegenteil von dem, was bei einer Zinserhöhung normalerweise passiert: Britische Anleihen legten zu und das Pfund wertete ab. Nach Einschätzung unseres Makroteams gelang es der Bank of England aber trotz allem, die Finanzbedingungen gegenüber dem August zu straffen.

 

… ABER AUS DEN RICHTIGEN GRÜNDEN?

Trotz der höheren Inflation in Großbritannien halten wir, ebenso wie unser Makroteam, den Zinsschritt noch immer für einen Fehler. Aus unserer Sicht ist die derzeitige Inflation vor allem eine Folge der Pfundabwertung, die die Importpreise steigen lässt. Dieser Effekt dürfte kaum nachhaltig sein. Entscheidend ist die binnenwirtschaftliche Inflation, und sie ist noch immer schwach.

Ein Indikator für diese binnenwirtschaftliche Inflation sind die Lohnstückkosten, die recht stabil scheinen. Die beiden Ausschussmitglieder, die den Zinsschritt ablehnten, brachten es auf den Punkt: „Nach den jüngsten Erfahrungen könnte die Lohnentwicklung auch in Zukunft weniger stark auf einen Rückgang der Arbeitslosigkeit reagieren als früher.“ Auch die Unsicherheiten durch den Brexit sprechen eher für eine sehr zurückhaltende Straffung.

Alles in allem glauben wir, dass die Glaubwürdigkeit der britischen Notenbank gelitten hat: Man bezweifelt, dass sie einen ordentlichen Zinserhöhungszyklus zustande bringt. Die Kurse haben entsprechend reagiert; es scheint, als würden die Marktteilnehmer nicht mehr mit weiteren Zinsschritten rechnen.

US-STEUERREFORM: DIE PLÄNE WERDEN KLARER …

Das amerikanische Repräsentantenhaus hat sich auf einen Gesetzesvorschlag verständigt. Man will der Wirtschaft mit einer Reihe von Steuersenkungen helfen und zugleich die Steuergesetze vereinfachen. Nächste Woche wird der Senat seine Version der Steuerreform vorlegen.

Um mehrere strittige Punkte dürfte es dann heiße Diskussionen geben: Ideen wie das Ende der Abzugsfähigkeit von Bundesstaats- und Kommunalsteuern oder die Begrenzung der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Hypothekenzinsen bei Neubauten erfordern großes Verhandlungsgeschick, damit sie den Kongress passieren, ja selbst die Zustimmung der Republikaner finden.

… UND DIE OPPOSITION DAGEGEN AUCH

Lobbyverbände, die gemeinhin die Republikaner unterstützen, lehnen beides ab. Die National Federation of Independent Business wendet ein, dass die geplante Steuersenkung für Holdinggesellschaften kleinen Unternehmen nichts nützt. Mit einer Holding können Geschäftsleute ihre Unternehmensgewinne wie Privateinkommen versteuern, sodass die vorgeschlagene Steuersenkung nur denen nützt, die zurzeit den Spitzensteuersatz zahlen.

Andere mächtige Lobbyverbände wie die National Association of Homebuilders sind gegen das Steuerreformgesetz, weil aus ihrer Sicht der Anreiz zum Hausbesitz sinkt, zum Schaden von Immobilienentwicklern. Wir glauben, dass das Gesetz, um verabschiedet zu werden, am Ende aufkommensneutral sein muss. Zwar hat das Wall Street Journal berichtet, dass die Steuerrechtsänderungen dauerhaft sein sollen. Unser Makroteam erwartet hingegen nur dann eine Einigung im Kongress, wenn die Maßnahmen auf zehn Jahre befristet werden.

LONG-POSITON IN AUSTRALISCHEN GEGENÜBER AMERIKANISCHEN STAATSANLEIHEN JETZT VOLLSTÄNDIG ABGEBAUT

Wir haben jetzt auch die zweite Hälfte unserer Long-Position in australischen gegenüber amerikanischen Staatsanleihen mit Gewinn verkauft. Australische und amerikanische Renditen konvergierten weiter, insbesondere aufgrund der enttäuschenden Einzelhandelsumsätze in Australien im September (die unverändert blieben, obwohl 0,4% Zuwachs zum Vormonat erwartet worden waren). Die Position ist jetzt vollständig geschlossen.

Redaktionsschluss: 6. November 2017

WSU

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